Allgemein

Dieser Artikel wurde dem Monatsmagazin für Vivaristik "das Aquarium" Ausgabe 02 / 03 mit freundlicher Genehmigung des Birgit Schmettkamp Verlages entnommen.

Braucht die Aquaristik eine Lobby im politischen Bereich - braucht die Aquaristik den BNA?

 

Viele Jahre lang schwebte das Damoklesschwert der „Positivlisten" über dem Hobby der Tier-, besonders der „Exoten"-Haltung (wozu unter anderem nahezu die gesamte Aquaristik und Terraristik zählten, außerdem besonders die Vogelhaltung).  Die meisten Leser werden sich noch an die hitzigen Diskussionen zu Beginn der 1990-er Jahre erinnern. Seinerzeit war nicht sicher, ob nicht binnen kürzester Zeit die Haltung und damit auch die Zucht der meisten Tier- und Pflanzenarten verboten würde.

Es war nicht einmal auszuschließen, dass die verbliebenen Exemplare in menschlicher Obhut vielleicht sogar im Namen des Artenschutzes getötet würden! Aussagen von hoher politischer Seite, man möge die „Tiere in Würde aussterben" lassen, waren der Alptraum jedes Züchters, jedes in der Tierhaltung und -erhaltung aktiven Naturschützers.

Wir alle hatten Glück: Die Zeiten haben sich gewandelt. Die Gefahr der Positivlisten droht zurzeit nicht, das Hobby Aquaristik zu zerstören (aber ist dieses Thema wirklich endgültig „vom Tisch"?, es kommen immer wieder Diskussionen auf, gerade bezüglich der Haltung „exotischer" Tiere!). Die zahlreichen artenschutzrechtlichen Vorschriften sind vorhanden, sie sind auch reichlich kompliziert; der Hobbyaquarianer hat aber allemal - dank der Arbeit des BNA, der entscheidend zur Vermeidung der Positivlisten beigetragen hat - nach wie vor die Möglichkeit, zahlreiche Arten von Fischen und anderen Wasserbewohnern rechtmäßig zu erwerben, zu pflegen und zu züchten. Gerade die Zucht gefährdeter Tierarten in menschlicher Obhut hat schon, teilweise durch private oder offizielle Erhaltungszuchtprogramme unter wissenschaftlicher Aufsicht gefördert, manche Art erhalten und es ermöglicht, sie wieder auszuwildern.

War es das denn schon? Können wir Aquarianer uns nun beruhigt zurücklehnen und uns „nur" dem Hobby widmen, ohne die Entwicklung auf politischer - insbesondere auf gesetzgeberischer Ebene im Bereich des Tier- und Artenschutzrechtes - zu verfolgen und im Sinne der Tierhaltung so weit wie möglich Einfluss zu nehmen?

Vor einem solchen Verhalten kann ich nur warnen! Nicht nur, dass die Positivlisten zwar zurzeit nicht diskutiert werden, aber immer mal wieder aufflackern und zumindest für Teilbereiche der Tierhaltung noch lange nicht vergessen sind: Es gibt auch wahrlich genügend andere Bereiche, in denen die Tierhalter ohne eine Lobby schneller als erwartet Probleme haben werden. Das ist nicht nur im Bereich des Artenschutzes der Fall, sondern auch und besonders, wenn es um den Schutz des Individuums, um den Tierschutz, geht. In den letzten Jahren wurden Mindesthaltungsbedingungen und Sachkundenachweis heiß diskutiert. Dass hier gute Vorlagen geliefert wurden und dass der VDA-Sachkundenachweis - der nunmehr gemeinsam mit der DGHT als aquaristischer und terraristischer Sachkundenachweis weiterentwickelt wurde - allgemein Anerkennung gefunden hat, ist zu einem beachtlichen Teil der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen VDA, DGHT und BNA zu verdanken.
Weitere Erfolge konnten gemeldet werden: Überzogene Haltungsbedingungen konnten vermieden werden. Die Anforderungen an denjenigen, der den Sachkundenachweis erlangen möchte, sind hoch, aber nicht zu hoch. Auch die Arbeit an den Bedingungen für Tierbörsen, deren Einhaltung immer konsequenter überwacht wird und den auf Börsen angebotenen Aquarienfischen eine maximale Stressreduzierung verspricht, wurde vom BNA maßgeblich mitgetragen. Ohne die Schaffung von Börsenrichtlinien wären Börsen wohl schon lange nicht mehr zulässig!

Der BNA engagiert sich auch im Bereich der Qualzuchten (zu diesem Thema siehe auch den vorstehenden Beitrag) und setzt sich für die Vermeidung wirklicher Qualzuchten, andererseits auch für die Erhaltung tierschutzrechtlich unbedenklicher Formen ein. Dass der BNA seinen Mitgliedern für einen relativ geringen Jahresbeitrag von Euro 25,- eine Menge bietet - vom vierteljährlichen Bezug der Zeitschrift „BNA-aktuell" über die Möglichkeit, Rechtsschutz- und andere Versicherungen über den Verband abzuschließen, bis hin zur individuellen Beratung in Tier- und Artenschutzfragen- soll nur am Rande erwähnt werden.

 

Dieter Rössel