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Eine Antwort versucht Norbert Grunwald aus Wuppertal zu geben.

Zuerst möchte ich ein sprachliches Missverständnis klären. Es gibt eigentlich gar keine Aquarienvereine, sondern Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde. Das bedeutet: Man kann beim Vereinstreffen Wissen austauschen und erweitern, aber die Mitglieder haben im Regelfall keine Aquarien oder Terrarien am Ort der gemeinsamen Treffen, sondern die stehen bei jedem einzelnen zuhause.

 

Die Hobby-Aquaristik hat einige Besonderheiten, die sie von den meisten anderen unterscheidet. Man kann seine Liebhaberei nicht zum Vereinsabend mitnehmen, wie beispielsweise Briefmarken oder Mineralien. Es ist auch kein Mannschaftsspiel, bei dem man zusammenkommt, um gemeinsam etwas durchzuführen (daran ändern auch Ausstellungen nichts), sondern man kann “nur” zusammenkommen, um sich auszusprechen, Vorträge anzuhören bzw. anzusehen und Besuche untereinander zu vereinbaren. Und warum trifft man sich eigentlich?

Jede(r) die/der sich zuhause ein Aquarium einrichtet, baut eine kleine, eigene Welt auf, in der sich Lebewesen befinden. Damit übernimmt er die Verantwortung für eine möglichst optimale Haltung und Pflege dieser Lebewesen. Der Aquarianer ist praktisch Herr über Leben und Tod seiner Pfleglinge und sollte sich bewusst sein, dass alles Lebendige das Recht hat, auch als solches behandelt zu werden. Dabei spielt die Höhe des Kaufpreises keine Rolle. Der Goldfisch, der Diskusfisch und auch die Pflanzen, alle haben das gleiche Recht zu leben. Ein solcher Lebensraum (= Biotop = Aquarium) benötigt bestimmte Voraussetzungen und sehr verschiedenartige Faktoren spielen dabei eine große Rolle.

Zuerst erscheint alles ganz einfach, aber oft funktioniert nach kurzer Zeit das Ganze nicht so, wie man es sich vorgestellt hat. Die Fische werden krank, die Pflanzen gehen ein, und auch die Technik funktioniert nicht so wie man gedacht hat. Ist man Mitglied in einem Verein, kann man viele Fehler vermeiden. Man kann von anderen Mitgliedern die notwendigen Auskünfte bekommen, bevor man etwas aufs Geradewohl probiert und Fehler macht, oder wenn die Fehler schon geschehen sind, kann man sie mit Hilfe der anderen viel schneller beseitigen. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass bei uns die meisten Mitglieder erst in den Verein eingetreten sind, nachdem sie schon seit einiger Zeit ein oder mehrere Aquarien im Betrieb hatten und feststellen mussten, das Aquaristik nicht so einfach und störungsfrei verläuft wie es in Prospekten und Büchern beschrieben wird. Auch die Beratungen in vielen Geschäften beschränken sich oft auf kurze Erklärungen, sei es aus Zeitmangel oder ungenügendem Kenntnisstand.

Ich möchte einige Problemfelder ansprechen, bei denen eine Hilfe von anderen sinnvoll sein kann.

Wenn man nicht alles fertig kaufen will, beginnt es mit den handwerklichen Fähigkeiten, die beim Bau oder Umbau eines Untergestelles oder sogar des Behälters notwendig werden. Weiterhin benötigt man Kenntnisse bei der sachgerechten Verlegung von elektrischen Anschlüssen und bei der Auswahl und Anbringung der notwendigen Technik.

Will man nun den leeren Behälter einrichten, so ist botanisches Grundwissen gefragt: Welche Pflanzen benötigen welchen Bodengrund, welche Temperaturen sind die besten, wie viel Licht ist vorzusehen, ist Strömung notwendig?

Zwangsläufig kommen die Grundlagen der Wasserchemie hinzu: Welches Wasser kommt aus dem Wasserhahn? Ist es ohne Veränderung für meine Fische geeignet und wie messe ich das? Können sich die Werte im Aquarium verändern? Verursacht dies dann Schäden an Fischen und Pflanzen?

Bei der Gestaltung des Aquariums kommen im Regelfall auch die Fähigkeiten des Aquarianers als Designer zur Geltung, denn schön aussehen soll es ja auch.

Auch kommt es vor, dass man anderen seine Erfahrungen mitteilen möchte. Dann sind fotografische und/oder schriftstellerische Fähigkeiten gefordert. Wenn jemand z.B. an besonderen Fischfamilien, -gattungen oder -arten Interesse hat, benutzt er vielleicht seinen Urlaub, um an Ort und Stelle die Originalbiotope kennen zu lernen. Dann kann man später zuhause versuchen, diese nachzugestalten. Dabei wird dann aufgeschrieben und fotografiert, denn an den neuen Erkenntnissen sollen natürlich auch die anderen Aquarianer teilhaben. Man pflegt zuhause besondere Fische, Pflanzen oder hat was interessantes ausgetüftelt, auch so was möchte man anderen mitteilen. Dann kommt es schnell dazu, dass man höhere Ansprüche an die eigenen Fotos oder Dias stellt.

Damit keine falschen Vorstellungen aufkommen: Auch die Mitglieder meines Vereines haben in vielen Bereichen der Aquaristik nur einen begrenzten Kenntnisstand, aber - und das ist der Unterschied - es gibt im Verein immer jemanden, der sich in bestimmten Einzelbereichen gut auskennt und andere beraten kann. Ebenso ist die Vereinsbibliothek eine große Hilfe, denn keiner hat zuhause so viele Unterlagen zu bestimmten Themenbereichen. Hier kann man auch die unterschiedliche Auffassung zu Problemen von verschiedenen Autoren vergleichen. Ebenso stehen den Mitgliedern immer die neuesten Ausgaben von mehreren Fachzeitschriften zur Verfügung.

Besonders wenn es sich um die Vermehrung von Fischen und Pflanzen handelt sind die Anforderungen, die an den Pfleger gestellt werden, bei vielen Arten nur schwer im Alleingang zu bewältigen. Hat man es geschafft, die Fische zum Laichen zu bringen und auch einige Jungfische aufzuziehen, kommt es möglicherweise zu Degenerationserscheinungen in der Größe, Form, Vitalität und Verhalten. Oft erkennt man solche Abweichungen erst, wenn diese Fische zur weiteren Vermehrung der Art beitragen sollen. Dabei können Faktoren wie Erstfutter, Wasserqualität und die Umgebung der Fische einen entscheidenden Einfluss haben.

Ich habe bisher einige Gründe beschrieben, welche die Grundlage für eine Mitgliedschaft in einem “Aquarienverein” sein können. Nun möchte ich noch einige Besonderheiten unseres Vereines darstellen. Aufgrund der großen Vielfalt an Fisch- und Pflanzenarten existieren schon seit langen besondere Gruppen, die sich intensiv mit bestimmten Bereichen der Aquaristik wie Lebendgebärende Zahnkarpfen, Cichliden, Regenbogenfischen oder Wasserpflanzen beschäftigen. An den Veranstaltungen dieser Gruppen nehmen Mitglieder unseres Vereines teil und informieren bei Bedarf an den Vereinsabenden die anderen Mitglieder. Zwei Regionalgruppen von Sondervereinen treffen sich regelmäßig in unserem Vereinsraum und die Teilnahme von Mitgliedern unseres Vereines ist immer willkommen.

Nicht unwesentlich ist auch, das die Mitglieder das Angebot bekommen, die einheimische Natur (Teiche, Tümpel, Bäche und kleinere Flüsse) kennen zu lernen. Mindestens einmal im Jahr wird eine Wanderung durchgeführt, um die großen und kleinen Lebewesen, in und an den Gewässern, kennen zu lernen.

Gemeinsame Fahrten zu öffentlichen Aquarien in anderen Städten, sowie der Besuch von Ausstellungen und Veranstaltungen von anderen Vereinen und des Verbandes sind ebenfalls Bestandteil unseres Angebotes.

Ein weiterer Pluspunkt ist eine Versicherung, die Wasserschäden durch Aquarien gegenüber Dritte in einem gewissen Umfang abdeckt. Diese Versicherung ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Vielen Besitzern eines Aquariums ist nicht bekannt, dass die normale Haftpflichtversicherung solche Schäden nicht, oder nur zum Teil abdeckt.
Wenn Sie also nicht zu denen gehören wollen, die nach einem erfolglosen Anlauf, der viel Geld gekostet hat, das Aquarium neben dem Kassettenrecorder, der Videokamera, dem Fotoapparat, der ehemaligen Filmkamera oder der Fitnessausrüstung, sowie anderen Dingen “die man mal unbedingt probieren musste” in die Ecke stellen, sondern mehr über die Aquaristik und Terraristik wissen wollen, dann kommen sie doch regelmäßig zu den Vereinsabenden Ihres Vereins.

 

Anmerkung der Redaktion:

Norbert Grunwald ist Mitglied in einem Wuppertaler Aquarienverein und stellt in seinem Artikel Besonderheiten seines Vereins dar. Er schreibt dabei jedoch stellvertretend für die meisten Aquarien- und Terrarienvereine in Deutschland.