Meerwasserfische

Bericht zum Vereinsabend am 5. Februar 2001

Zum Hauptthema "Der Traum vom Meer im Wohnzimmer" wurde Dr. Dieter Brockmann aus Mülheim an der Ruhr herzlich begrüßt.

 

Dr. Brockmann ist vom Studium her Chemiker mit Schwerpunkt Biochemie und seit 30 Jahren Meerwasser-Aquarianer – eine Kombination, wie sie kaum besser sein kann. Hinzu kommt, dass Dr. Brockmann etliche Riffe der Welt betaucht hat.

Den Einstieg in den Vortrag lieferte ein Bild eines Meerwasser-Aquariums aus den späten 1960-er Jahren. Es ließ erkennen, mit welch "primitiven" Mitteln damals versucht wurde, das marine Leben ins Aquarium zu holen und am Leben zu erhalten. Natürlich waren Fische zu der Zeit die favorisierten Bewohner der Aquarien.

 

Nach Erscheinen der grundlegenden Bücher von Peter Wilkens in den 1970-er Jahren trat ein Wandel in die Meerwasser-Aquaristik zugunsten der Pflege von Wirbellosen ein, was mit dem Bild eines Aquariums aus der damaligen Zeit veranschaulicht wurde. Dieser Trend wurde dann zwangsläufig durch das Handelsverbot mit den früher so begehrten Kaiser- und Falterfischen verstärkt. Mehr und mehr wandten sich die Aquarianer den Riffaquarien zu. Entscheidende Impulse erhielt die Riffaquaristik dann vor etwa 10 Jahren, als der Band 1 der Buchserie "Korallenriff-Aquarium" von Svein A. Fosså und Alf Jacob Nilsen erschienen war. Die Riffaquaristik "explodierte" förmlich. Die Hersteller brachten neues technisches Zubehör auf den Markt und viele Aquarianer vertieften ihr biologisches Wissen. Heute ist es möglich geworden, Steinkorallen im Riffaquarium nicht nur erfolgreich zu pflegen, sondern auch zu vermehren – eine Tatsache, die man vor etwa 20 Jahren noch für undenkbar hielt. Dr. Brockmann veranschaulichte dies mit entsprechendem Bildmaterial und zeigte ein Korallenriff-Aquarium von Alf Jacob Nilsen, das einem Riffabschnitt so täuschend ähnlich nachgebildet war, dass man das Bild für eine Unterwasseraufnahme halten konnte. Entscheidende Voraussetzungen sind: eine gute Wasserqualität, günstige Strömungsverhältnisse, das richtige Licht sowie eine Versorgung der riffbildenden (hermatypischen) Steinkorallen und der anderen kalkverbrauchenden Organismen (z. B. Riesenmuscheln) mit Calcium.

Zu allen diesen Punkten gab Dr. Brockmann Informationen über die heute gängigen Methoden. Dr. Brockmann verschwieg aber auch Negatives nicht: So stellte er fest, dass immer noch viele Organismen dem Meer entnommen werden, obwohl das durchaus nicht mehr in dem Maße nötig ist. Er kritisierte, dass viele Händler die Wildentnahmen von Korallen den Aquariennachzuchten vorziehen und viele Aquarianer daher auf ihren Nachzuchten "sitzen bleiben". Obwohl auf dem Gebiet der Fischzucht Erfolge vermehrt festzustellen sind, gelingt erst bei einigen Arten eine wirtschaftliche und somit für den Handel interessante Zucht. Hier gibt es noch viel zu tun, denn es werden vermehrt Riffe für Entnahmen gesperrt. Generell hat die Nachzucht von Rifforganismen in der Zukunft eine große Bedeutung. Schon heute gibt es Länder, die in Korallenfarmen Wirbellose heranziehen und sowohl für den aquaristischen Markt als auch für Aufforstungen von Riffen bereitstellen. Begonnen hatte dieses Verfahren, als in weiten Bereichen die Riesenmuscheln fast vollständig ausgerottet waren – nicht für die Aquaristik, sondern für den Tisch. In ostasiatischen Ländern werden nämlich die Schließmuskeln der Riesenmuscheln als Delikatesse betrachtet.Insgesamt hat es Dr. Brockmann verstanden, die komplizierten Zusammenhänge im Ökosystem eines Korallenriffs anschaulich und verständlich darzustellen und den Weg aufzuzeigen, wie man "Den Traum vom Meer im Wohnzimmer" verwirklichen kann.

 

 

Werner Schmettkamp