Pflanzen

Nymphoides aquatica ist eine Besonderheit im Aquarium
-Systematik und Nomenklatur

Die Wasserbanane wurde 1788 von WALTER in der "Flora caroliana" als Anonymus aquatica beschrieben. In seiner 1891 erschienenen Revision "Revisio Genera Plantarum" benannte KUNTZE sie in den heute noch gültigen Namen Nymphoides aquatica um. Der Artname aquatica (lat. = im Wasserbefindlich) deutet auf die natürlichen Lebensräume hin. Der Gattungsname ist zusammengesetzt aus Nymphaea = Gattungsname für Seerosen und eidos (gr.) = Gestalt, Ebenbild und nimmt Bezug auf die Ähnlichkeit in der Wuchsform mit Seerosen. Der Gattungsname war schon 1757 von HILL aufgestellt worden.

 

 

 

Früher wurde die Gattung Nymphoides in der Familie der Enziangewächse, Gentianaceae, geführt, heute aber in der Familie der Fieberkleegewächse, Menyanthaceae. Von den insgesamt fünf dem Wasserleben angepassten Gattungen der Familie ist neben der Wasserbanane für die Aquaristik vor allem der Fieberklee, Menyanthes trifoliata als Teichbepflanzung von Bedeutung. 

Das besondere Kennzeichen von Nymphoides aquatica sind die verdickten Wurzeln, worauf ihre Populärbezeichnung "Wasserbanane" zurückzuführen ist.

-Verbreitung und Ökologie

Die etwa 25 Arten der Gattung Nymphoides wachsen alle als Wasserpflanzen, besiedeln stehende oder langsam fließende Gewässer und gehören der Schwimmblattpflanzenzone an. Nymphoides aquatica ist im südlichen Nordamerika verbreitet und kommt in den Küstenebenen von New Jersey bis Florida vor. Es handelt sich um eine im Boden verwurzelte Schwimmblattpflanze, die in flachen Tümpeln, in den ruhigen Uferzonen von langsam fließenden Gewässern und im Niedrigwasser wächst.
Die Pflanzen überstehen den Winter mit ihren verdickten Wurzelbüscheln, die im Frühjahr wieder austreiben und dabei zunächst kurzgestielte submerse Blätter treiben. Wegen der angeschwollenen und gekrümmten Wurzeln, die einer kleinen
grünen Banane ähnlich sehen, wird die Pflanze in Nordamerika "Banana Plant" genannt und ist dort eine populäre Aquarienpflanze. Bei uns hat Nymphoides aquatica unterschiedliche Populärnamen: Unterwasserbanane, Wasserbanane oder Bananenpflanze.

-Gestaltliche Kennzeichen

Die angeschwollenen oberirdischen Wurzelteile wachsen zum grünen bis bräunlichen Wurzelstock heran. Sie entspringen den terminalen Knospen, dringen in den Bodengrund ein und schwellen im Bereich der Wasserzone auf. Durch ihr ungleiches Wachstum krümmen sich diese Gebilde zur Form einer kleinen Banane.
Meist sind es 10 bis 15 solcher Knollen, die ein
rosettiges Büschel bilden, das dann wie kleine Dahlienknollen aussieht. Wie diese besitzen die Wurzelknollen der Wasserbanane die Funktion eines Nährstoffspeichers. Aus den terminalen Knospen treiben ebenfalls Blätter. Dabei wird zwischen den relativ kurzgestielten untergetauchten Spreiten, die im Wasserraum verbleiben, und den langgestielten Schwimmblättern, die dem Wasser aufliegen, unterschieden. Das rundlich-herzförmige Wasserblatt wird etwa bis zu 10 cm breit, ist meist hellgrün und dunkler geädert sowie auf der Unterseite schwarz punktiert. Das etwas schwammige, ebenfalls rundlich-herzförmige Schwimmblatt wird ungefähr bis zu 12 cm breit, seine Oberseite ist olivgrün mit violetten Punkten, die Unterseite purpurfarben. Bei der Aquarienkultur bleiben die Schwimmblätter jedoch meist kleiner und sind grün gefärbt.
Eine etwas anders aussehende Wasserbanane, die ich im Aquarium kultiviert habe, brachte bis zu 15 cm breite Wasserblätter mit breiter und herzförmiger Basis hervor. Die Spreitenfärbung war oberseits dunkelgrün bis braungrün, partiell auch rötlichbraun, und zeigte eine deutlich abgesetzte hellgrüne Aderung. Wegen der dünneren und spitz zulaufenden Knollen handelt es sich bei dieser Pflanze offensichtlich um Nymphoides cordata, die von Neufundland bis Florida vorkommt. Sie wuchs bei mir untergetaucht besser und ist in ihrem submersen Wachstum weniger kritisch als N. aquatica.

Im Aquarium gut gewachsene Wasserbanane mit kräftigen braungrün gefärbten Wasserblättern. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um Nymphoides cordata.

-Besonderheiten bei der Blütenbildung

Die Schwimmblätter von Nymphoides-Arten bilden morphologisch betrachtet ein besonderes Phänomen pflanzlicher Entwicklung. Die Blüten dieser Pflanzen treiben scheinbar aus dem Blattstiel, doch das ist in Wirklichkeit ganz anders. Der Stiel ist in seinem unteren Teil ein stark gestrecktes Stengelglied (Internodium), das bis zur Ansatzstelle der Blüte reicht. Das bedeutet, es handelt sich um einen Nebentrieb, der einer Terminalknospe entspringt und an seiner Spitze ein Blatt trägt. Der eigentliche Blattstiel beginnt über einem kleinen Nebenblatt, aus dessen Achsel sich ein Büschel gestielter Blüten entwickelt.
Die Blüten werden bei Nymphoides aquatica bis zu 2 cm breit und sind weiß. An den Aquarienpflanzen habe ich bislang keine Blüten beobachtet. Auch bringt die aquaristische Literatur keine eindeutigen Angaben über Erfahrungen der möglichen Blütenentwicklung. Wahrscheinlich wird das auch mit dem Bestreben zusammenhängen, die Wasserbanane untergetaucht zu kultivieren und die Schwimmblätter zu unterdrücken.


-Nachzucht über Adventivpflanzen

Eine Vermehrung der Wasserbanane ist durchaus möglich, aber nicht ganz so einfach. Dafür ist eine Kultur als Schwimmblattpflanze erforderlich, die in einem flach gebauten Aquarium leichter zu erzielen ist. In der Achsel des Stengelknotens entstehen kleine Adventivsprosse, für deren Entwicklung eine vorausgegangene Blütenbildung offenbar nicht erforderlich ist. Wenige Zentimeter unterhalb der Blattspreite treiben aus dem Ansatz des Blattstieles kleine Blättchen und Wurzeln.

Außerdem erweist sich Nymphoides aquatica als sehr regenerationsfähig. Wird ein ausgereiftes Schwimmblatt kurz unter dem Internodium mit einem glatten Schnitt abgetrennt und auf das Wasser gelegt, so treiben aus dieser Schnittstelle ebenfalls bewurzelte Adventivpflanzen. Diese Bezeichnung kommt von advenere (lat.) = erscheinen, hinzukommen. Das soll heißen, nicht an Sproßspitzen oder in Blattachseln, sondern an anderen Stellen der Achse, an Blättern oder Wurzeln werden Knospen gebildet, die entweder spontan oder häufig erst nach Verletzung der Pflanze entstehen.

Aus dem scheinbaren Blatt eines Schwimmblattes treibt die Wasserbanane Adventivpflanzen, die auch an der Schnittstelle eines abgetrennten Blattes entstehen, so wie es auf dem Bild zu sehen ist.

Die Aufzucht von Adventivpflanzen erweist sich als nicht ganz problemlos und führt nur bei guten Lichtverhältnissen zu kräftigen Exemplaren. Auch sind solche Jungsprosse nicht einfach im tiefer gelegenen Bodengrund zu verankern. Das geht am besten in einem sehr flachen Wasserteil. An solchen vegetativ gebildeten neuen Pflanzen konnte ich bisher keine Entwicklung von "Bananenwurzeln" beobachten. Das kann natürlich in der Aquarienkultur begründet sein und muss nicht grundsätzlich vorkommen.

-Kulturerfahrungen

Im Fachhandel werden in der Regel importierte Pflanzen angeboten, die in der Entwicklungsphase nach dem Frühjahr gesammelt wurden. Meist sind es Jungsprosse mit einigen kurzgestielten Wasserblättern und ohne frische Wurzeln. Beim Einsetzen ist zu beachten, dass die Wasserbanane nur sehr flach gesetzt werden darf. Am besten stellt man die Pflanze nur lose auf den lockeren Bodengrund und hält sie mit einer kleinen Pflanzenklammer am Ort fest. Sonst wird sie zu häufig bewegt, z. B. durch Fische oder bei Arbeiten im Aquarium, und kann nur schlecht anwurzeln.
Wasserbananen in guter Kondition schieben bald aus den Terminalknospen neue dünne und weiße Wurzeln, die später in den Bodengrund eindringen. Mitunter treiben auch aus den Spitzen der Knollen neue Wurzeln direkt in den Boden. Auf diese Weise werden die Pflanzen fest verankert, wobei sich durch die Zugkraft der Wurzeln später eine entsprechende Wachstumstiefe von selbst einstellt.
Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass Wasserbananen in meinen Aquarien zwar reichlich neue Wurzeln gebildet haben, diese sich aber nie zu "Bananen" verdickten. Wahrscheinlich ist die Entwicklung dieser Knollen auf die Anwesenheit ausreichender Schwimmblätter angewiesen. Schwimmblätter entstehen wiederum bei normaler Aquarienkultur nicht gerade häufig. Ich beobachtete weiterhin ein mitunter über Monate andauerndes stagnierendes Wachstum, bei dem die Pflanzen kaum trieben, aber auch nicht abstarben.

Die Wasserbanane wird nur flach auf den Bodengrund eingesetzt und mit einer Verankerung versehen, damit sie am Ort festgehalten und nicht bewegt wird. Die neu ausgebildeten weißen Wurzeln treiben dann in den Bodengrund hinein, wodurch sich die Pflanze nach einiger Zeit selbst verankert.

Das stagnierende Wachstum kann einerseits an der mangelnden Vitalität zu schwacher Pflanzen liegen, andererseits aber auch auf die ungünstigen Lebensbedingungen im Aquarium zurückzuführen sein. Kräftige und wüchsige Pflanzen mit großen und haltbaren Wasserblättern konnte ich lediglich in weichem Wasser und bei optimalen Lichtverhältnissen erzielen. Dabei sind Lichtwerte um etwa 70 Watt auf je 1001 Wasser als optimal zu bewerten. In flachen Aquarien mit Kunstlicht werden zwar gelegentlich Schwimmblätter geschoben, doch wie schon angemerkt, konnte ich daran noch keine Blüten beobachten.
Da das Wachstum der Wasserbanane bei Störungen leicht stagnieren kann, sollte eine gut verwurzelte Pflanze möglichst nicht umgesetzt werden. In der Regel benötigen umgesetzte Pflanzen eine längere Zeit, bis sie wieder optimale Triebe zeigen.

Kurt Paffrath