Pflanzen

Cryptocorynen sind ausgesprochen beliebte Aquariengewächse. Manche Liebhaber sind so vernarrt in sie, dass sie sich ganz auf ihre Kultur spezialisiert haben. Wer einmal die Wasserkelche näher studiert hat, kann feststellen, dass diese Pflanzen sehr variabel in Form und Färbung sind: Ein und dieselbe Art verändert sich in einem anderen Becken derart, dass wir sie kaum wieder erkennen. Die Blätter können kleiner, schmaler, dunkler oder heller werden, sie können an den Rändern gewellt oder glatt sein. Wer sich in die Cryptocorynen-Gattung eingearbeitet hat, wird staunen, wie viele Arten von der Nominatform abweichen, aber konstante Wuchsformen entwickeln, er kann ermessen, wie schwierig es mitunter Ist, sogar bekannte Pflanzen submers‘ zu bestimmen.

 

Allein Cryptocoryne wendtii hat drei abweichende Formen entwickelt. Den Wicht unter den "wendtiis" wollen wir hier vorstellen:

Cryptocoryne wendtii forma minima:
Ein Wasserkelchzwerg

Wenn wir die Cryptocoryne wendtii forma minima 2 als Zwerg bezeichnet haben, dürfen wir es nicht allzu wörtlich nehmen, denn es gibt andere Arten, die noch kleiner bleiben. Diese Wuchsform gehört jedoch zu der Gruppe der niedrigbleibenden Wasserkelche, wie die Formbezeichnung "minima" aussagt, ein gängiger Terminus für den kleineren Typ einer Nominatform.
Vor über zehn Jahren erwarb ich eine so genannte "wilde" Cryptocoryne aus Ceylon. Das nicht gerade kräftige Pflänzchen trieb im Aquarium einen kleinen Busch mit kurzen Blättern. Da die Pflanze klein blieb und außer ihrem zwerghaften Wuchs keine wesentlichen Unterschiede zu Cryptocoryne wendtii zeigte, war ich etwas enttäuscht. Wahrscheinlich hatte ich mit meiner Novität nur einen Krüppel erworben, dessen Nachwuchs sich bald dem Norminattyp anpassen würde.
Die Adventivpflanzen aber wurden auch nicht größer. Bei allen Versuchen unter anderen Kulturbedingungen wuchsen die "Pflänzchen" nicht über die Fünf-Zentimeter-Marke. Demnach konnte es keine "wendtii" sein. Der sicherste und letzte Beweis einer solchen Vermutung sind die Blütenstände, denn nur an ihnen können wir eine exakte Bestimmung durchführen. Ich wollte ganz sicher gehen, deshalb entnahm ich das zukünftige "Bestimmungspflänzchen" aus einem Becken, in dem ich keine Cryptocoryne wendti! gepflanzt hatte. Im Gewächshaus wuchs dann der "Zwerg" zu einer kräftigen Sumpfpflanze heran. Auf die Blütenstände allerdings musste ich fast drei Jahre warten.
Der Blütenstand deckte sich in allen Teilen mit den Blüten von Cryptocoryne wendtii. Die kurzgestielte BIütenscheide ist insgesamt etwa drei Zentimeter lang. Kessel, Röhre und Spreite verteilen sich etwa auf ein Drittel der Gesamtlänge. Der etwas breitere Kessel beherbergt den Blütenkolben. Darüber verengt sich die Scheide zur Röhre, die dunkel olivgrün in die Blütenscheidenspreite übergeht. Sie verjüngt sich in einen spitzen Zipfel, die Öffnung ist ein schmaler Spalt mit einer Drehung um zirka 180°. Die Innenseite der Spreite ist purpurn, der Schlundring dunkel purpurrot, leicht erhaben und an den Rändern scharf begrenzt.
Die Unterwasserform blieb in ihren Maßen ziemlich konstant. Die kleine und gedrungen wachsende buschige Pflanze erreicht eine Maximalhöhe von etwa fünf bis sieben Zentimeter. Einzelne und freistehende Gewächse bleiben flacher. Die kurzgestielten Blätter haben eine längliche Spreite mit rundlicher bis herzförmiger Basis, nach oben läuft sie spitz aus. Der Blattrand ist mehr oder weniger stark wellig und fein gekraust. Bei geringer Lichtintensität bleiben die Blätter auch glatter. Der leicht eingesenkte Hauptnerv wird beiderseits von zwei bis drei feinen weißlichen Seitennerven bekleidet. Sie enden teils im Blattrand, teils in der Blattspitze. Die Spreitenfarbe variiert je nach Lichteinfall von rötlich bis hell olivgrün. Auffallend ist die deutliche stets dunklere, mitunter fast schwärzliche Winkelzeichnung. Sie verläuft von der Hauptader bis kurz vor den Blattrand.
Cryptocoryne wendtii forma minima passt sich den meisten Wasserbedingungen gut an. Auch in hartem Wasser sind Wachstum und Vermehrung zufrieden stellend. Kleine Pflanzen wirken am besten in Gruppen, deshalb setzt man möglichst mehrere Gewächse mit etwas Abstand zusammen. Die Ausläuferpflanzen bilden mit der Zeit einen Teppich, der sich nach und nach ausdehnt. Ältere Bestände werden gelegentlich etwas ausgelichtet, denn so beugen wir einer zu starken Verfilzung vor. Mit den ausgelichteten Pflänzchen können wir die Gruppe vergrößern oder einen neuen Teppich heranziehen. Wegen ihres zwerghaften Wuchses eignet sich Cryptocoryne wendtii forma minima besonders für die Vordergrundbepflanzung. Die niedrigen Polster gewährleisten immer die Einsicht in die tieferen Beckenpartien. Da der Zwerg nicht sonderlich lichtbedürftig ist, kann er auch bei langstengeligen, locker wachsenden Arten als "Unterholz" verwendet werden.

 

Kurt Paffrath †