Süsswasserfische

Während meiner zwei Reisen nach Thailand bin ich in der Lage gewesen, die natürliche Heimat drei verschiedener Zierfischarten zu studieren. Dabei handelte es sich bei zwei Arten um eierlegende Zahnkarpfen, dem Zwergreiskärpfling, Oryzias minutillus, sowie dem gemeinen Hechtling, Aplocheilus panchax, und weiterhin um den Halbschnabelhecht, Dermogenys pusillus.

 

 

 

 

Aplocheilus panchax - Gemeiner Hechtling Männchen aus Laem Ka, Phuket

Der gemeine Hechtling, Aplocheilus panchax, ist in Asien weit verbreitet. Nach Scheel kommt diese Art in Indien, Burma, Thailand, Malacka und im indonesischen Archipel vor. Die Größe beider Geschlechter ist nach Sterba bis 8 cm.

Die Art ist leicht in Brackwasser einzugewöhnen. A. panchaxi wird am besten mit großen Fischen gehalten, ist aber nach meiner Erfahrung kein Raubfisch. Er frißt fast alles, aber nur Futter an der Wasseroberfläche oder das, was sich schnell in der Oberschicht des Beckens bewegt. Übrigens stellt diese Art keine besonderen Ansprüche bezüglich der Wasserqualität. Die Haltetemperatur ist 25 °C bis 28 °C.

Die Zucht ist nicht schwierig und das Laichen findet unter feinblätterigen Pflanzen auch im Gesellschaftsbecken statt. Die Jungfische schlüpfen nach 12 bis 14 Tagen und sind bei guter Fütterung, z.B. mit Artemia-Nauplien, schnellwüchsig.

Ich fand die Art auf der Insel Phuket im südlichen Thailand im September 1992. Der Fundort war ein tiefer Teich ohne sichtbare Wasserpflanzen in Laem Ka, 11 Kilometer südlich der Stadt Phuket. Die Fische schwammen einzeln und waren an einem Fleck am Kopf von oben leicht erkennbar. Die Wassertemperatur betrug 32 °C, der pH-Wert lag bei 7,3 und die Härte war nicht meßbar, d. h. das Wasser war sehr weich. Herr Peiroj aus dem Hotel Phuket Island Resort war mir beim Fischfang behilflich und hielt uns neugierige Hunde und Ziegen vom Leibe.

Ein Helfer aus der Gegend spart dem Fänger viel Zeit und Kummer. Außerdem sind selbst die geringsten Kenntnisse der Landessprache von großer Hilfe. Eigentlich suchte ich nach dem friedlichen Kampffisch, Betta imbellis.

Jedesmal, als jemand in die Nähe kam, zeigte ich auf die Wasseroberfläche und fragte „ pla kat ? “, d. h. Kampffisch auf Thai. Alle schüttelten den Kopf und zeigten nordwärts. Herr Peiroj, der einzelne englische Wörter verstand, fing mir später die genannte Art nebst dem knurrenden Gurami, Trichopsis vittatus, in Sayün, zwei Kilometer nördlich des Hotels.

 

 

Oryzias minutillus - Zwergreiskärpfling Weibchen aus Laem Ka, Phuket

In Laem Ka fand ich auch den Zwergreiskärpfling, Oryzias minutillus, auf einem überschwemmten Feld. Zuerst glaubte ich, daß es junge Fische einer anderen großen Art waren. Er wurde erstmals von Smith 1945 aus einem Kanal in Bangkok beschrieben. Nach Riehl ist die Art von Bangkok bis zur malaiischen Grenze verbreitet und jetzt auch auf Phuket vorhanden. Er wird nur etwa 18 bis 20 mm groß und ist bei 17 mm geschlechtsreif. Man erkennt ihn von oben an den blauen leuchtenden Augen. Ich sah keine weiteren Arten in diesem Biotop. Die Wassertemperatur betrug 34 °C, der pH-Wert 7,3 und die Härte war auch hier nicht meßbar. Die Wassertiefe lag zwischen 10 und 50 cm. Als ich die Art an Ort und Stelle nicht identifizieren konnte, widmete ich ihr kein größeres Interesse, sondern beabsichtigte, sie zu den Goldfischen in den Gartenteich des Hotels zu schütten.

Glücklicherweise änderte ich auf Anraten meiner Frau im letzten Augenblick meine Meinung. Ich brachte 12 kleine Exemplare in einer Mineralwasserflasche mit nach Hause. Die Art reagiert wie Aplocheilus panchax auf Strapazen unempfindlich und ist für das Aquarium geeignet.

O. minutillus nimmt auf Grund seiner geringen Größe mit jedem kleinen Becken vorlieb. Ein Behälter von zehn Litern, möglichst mit langfibrigem Torf, Riccia-Büscheln und Javafarn eingerichtet, genügt vollauf. Er fühlt sich sowohl bei 25 °C als auch 30 °C wohl und ist Temperaturschwankungen gegenüber unempfindlich. Das Wasser soll neutral und sehr weich sein. Die Beleuchtung ist am besten schwach, da sich die Fische sonst unter fließenden Pflanzen verstecken. Bei Fütterung von Artemia und mit Frischwasserzusatz laicht er gern. Zu Beginn des Laichens schwimmen die Fische mit unregelmäßigen Bewegungen, so als ob sie Schwimmblasenlähmung hätten. Das Weibchen trägt die Eier, 2 bis 4 Stück, einige Stunden in Fäden an der Afterflossenbasis, bevor sie an die Pflanzen angeklebt werden. Dieser Prozeß kann eine Woche dauern und manche Fische beider Geschlechter nehmen teil.

Wann die Befruchtung stattfindet, habe ich nicht beobachten können. Die Eier verschimmeln leicht, es sei denn, sie hängen nicht in den Fäden. Die Jungfische schlüpfen nach 12 bis 15 Tagen. Bis jetzt hat der Erfolg auf sich warten lassen. Nur ein junger Fisch aus jedem Wurf hat überlebt, vermutlich wegen Mangel an geeignetem Futter, das sehr klein sein muß. Den Jungfischen, die sehr langsam wachsen, haben die Eltern nicht nachgestellt.

 

 

Dermogenys pusillus - Halbschnabelhecht Weibchen aus dem Fluß Chaisri

Einen anderen meiner Favoriten, den Halbschnabelhecht, Dermogenys pusillus, habe ich nicht auf der Insel Phuket gefunden, sondern in Bangkok und Umgebung. Er ist sehr zahlreich in den Kanälen und in der Lunge der Stadt, dem Lumpini Park. Nach Jacobs kommt er in Thailand, Indonesien und auf der malaiischen Halbinsel vor. Man findet die Art in Süß- und Brackwasser. Er scheint keine größere Anforderungen an die Wasserqualität zu stellen.

Die Kanäle in Bangkok sind wie Kloaken, verglichen mit den von mir untersuchten Biotopen auf Phuket. Der Halbschnabelhecht schwimmt fröhlich unter Coca-Cola Dosen und Ölflecken, die von Motorbooten stammen, herum. Die Exemplare, die ich September 1991 nach Hause mitbrachte, hatte ich im schnellfließenden Fluß Chaisri gefangen, etwa 30 Kilometer von Bangkok entfernt. Die Fische schwammen in kleinen Schulen in der Ufernähe, wo es auch den knurrenden Gurami, Trichopsis vittatus, und Exemplare aus der Familie Toxotidae, der Schützenfischen, gab. Die Wassertemperatur betrug in Ufernähe 32 °C, die Härte 5 dGh und der pH-Wert 7,0. Nach Jacobs wird das Männchen 5 bis 7 cm und das Weibchen 7 bis 9 cm groß. Süßwasserexemplare können leicht in Brackwasser eingewöhnt werden. Die Art ist lebendgebärend, aber die Zucht ziemlich schwierig. Es wird schwer sein, immer geeignetes Futter für die Jungen zu finden, die wie die Eltern Futter an der Oberfläche vorziehen. Ich gab meinem ersten Wurf Artemia-Nauplien, die sich aufgrund des Lampenlichtes in der Oberschicht des Beckens hielten. Leider habe ich nach einem unvorsichtigen Wasserwechsel alle außer einem Jungen verloren. Das überlebende Jungtier, ein Männchen, wurde später von einem älteren Rivalen schwer verletzt und starb, als die Männchen untereinander etwas strittig waren.

Diese drei Arten eignen sich gut für die Haltung im Aquarium und ich kann sie Ihnen sehr empfehlen.

 

 

Ronny Lundkvist, Malmö - Schweden

 


Literaturhinweise:

Jacobs, K. (1969): Die lebendgebärenden Fische der Süßgewässer. Seite 150. Leipzig.
Riehl, R. und Baensch, H. A. (1990): Aquarien Atlas, Band 3. Seite 579. Melle.
Scheel, J. (1968): Rivulins of the old world. Seite 347. New Jersey.
Smith, H. M. (1945): The freshwater fishes of Siam or Thailand. Seite 422. Washington.
Sterba, G. (1967): Freshwater fishes of the world. Seite 480. London.



An dieser Stelle sind einige Worte des Dankes angebracht.

Zuerst einmal an den Autor, Ronny Lundkvist aus Malmö, der unserem Verein seinen Artikel als persönliche Anerkennung für eine in den letzten Jahren immer wieder übernommene Betreuung von mehr als dreißig schwedischen Aquarianern in Köln übergab.

Weiterhin an unser Ehrenmitglied, Kaspar Horst, Aquadocumenta Verlag, ohne dessen Zustimmung dieser Artikel nicht erschienen wäre.

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