Süsswasserfische

Ladigesocypris ghigii,

ein kleiner Karpfenfisch von Rhodos

Ladigesocypris ghigii (Gianferrari, 1927) so lautet der wissenschaftliche Name eines kleinen Cypriniden, der nach bisherigen Erkenntnissen als einzig einheimischer (endemischer?), Süßwasserfisch auf der griechischen Insel Rhodos vorkommt.

 

 

 

 

Die kleinen Cypriniden gelten auf der Insel als stark bedroht, weil während der Sommermonate große Mengen von Grundwasser in die reichlich vorhandenen Touristenorte gepumpt wird. Man geht davon aus, dass so die natürlichen Biotope im laufe der Zeit trocken gelegt werden. In der deutschen Literatur findet man kaum Hinweise auf die circa 9 Zentimeter groß werdende Fische und auch als Aquarienpfleglinge sind sie bei uns wohl eher selten anzutreffen. In der Natur ernähren sich die Fische von Plankton und Insektenlarven. Viel mehr kann man aber nicht über sie erfahren.

 

 Während eines Urlaubs im Oktober 1995 nutzte ich die Gelegenheit, die mit unserem Moderlieschen verwandten Cypriniden, zu fangen. Leider erwies sich die Suche nach Süßwasser als gar nicht so einfach. Obwohl ich mehrere, zum Teil große Flussläufe fand, waren sie alle ausgetrocknet.

Erst nachdem ich einige Einheimische befragt hatte, wurde ich fündig. Sie schickten mich zu einem Stausee im Süden der Insel, der aber auf meiner Straßenkarte nicht eingetragen war. Ein Anhaltspunkt war die Ortschaft Applakia. Von dort aus führte eine schlecht asphaltierte Straße zu dem Stausee.

Vom Ufer aus konnte ich zuerst keine Fische im klaren Wasser erspähen. Nachdem ich mich jedoch einige Zeit ruhig hingesetzt hatte, sah ich es zwischen den Wasserpflanzen verdächtig blinken. Ein Grund um in den See zu steigen.

 Es war schwierig mit einem 20x20 Zentimeter großem Aquarienkescher die Fische zu fangen, zumal ich mit jedem Schritt den Bodengrund aufwühlte und sich das Wasser dann lehmgelb einfärbte. Nach einer Stunde hatte ich gerade mal 10 etwa 5 Zentimeter große Cypriniden gefangen. Das waren zwar genug Tiere für mit nach Hause zunehmen, doch war ich neugierig ob es sie nicht auch noch woanders gab.

Aus dem Fehler am See gelernt, kaufte ich mir an der nächsten Strandbude einen größeren Kescher. Aber wo gab es noch Süßwasser? Ich verließ mich auf mein Reisehandbuch in dem es hieß: Das berühmte Tal der Schmetterlinge (Petaloúdes) ist eine völlig grüne, wasserreiche Schlucht, die jeden Sommer Tausende interessierte Besucher anzieht. Auch mich zog es jetzt dahin. Den Ausflug hätte ich mir jedoch sparen können. Die wasserreiche Schlucht war ein tiefes Tal, durch das sich ein zwanzig Zentimeter breites Rinnsal mühsam seinen Weg kämpfte.

 Ein Blick hinter verschiedene Steine verriet den Grund der Wasserarmut. Hier lagen in größeren Abständen versteckt einige Pumpen, die man jetzt zum Ende der Touristensaison abgestellt hatte. Auch von den Schmetterlingen ( Callimorpha Qadripunctaria ) war kein Exemplar zu sehen, sie ziehen im September in andere Gebiete. Lust- und erfolglos stöberte ich in dem Rinnsal. Ein weiteres, bei Touristen beliebtes Ausflugsziel ist Eptà Pigès, auch als die "Sieben Quellen" bekannt. Hier liegt, vier Kilometer landeinwärts vom Cape Vagia (Ostküste) entfernt, ein kleines Waldlokal inmitten einer vegetationsreichen Landschaft. Schon bei der Anfahrt entdeckte ich einen schmalen Gebirgsbach in dem kleine Cypriniden schwammen. Mit dem neuen Kescher war es kein Problem einige Fische zu fangen. An günstigen Stellen konnte man mit einem Kescherzug 40 bis 50 Exemplare erbeuten. Weiter bachaufwärts unter einer Brücke, in einer hüfthohen Senke, fand ich die ersten erwachsenen Tiere. Sie standen dicht gedrängt über Falllaub, am Grund des Baches. Auch sie zeigten, genau wie die Jungfische, eine eher schlichte Färbung. Nach weiter Erkundung des Geländes fand ich auch die "Quelle" des Baches. Es war wiederum ein kleiner Stausee.
 


 Ich war insgesamt drei Tage mit einem Leihwagen auf der Insel unterwegs und konnte Ende Oktober keine natürlichen Biotope für Ladigesocypris ghigii nachweisen.

Interessant wäre es zu wissen wie weit sich die Fische während der Regenzeit (November bis Februar) auf Rhodos verbreiten. Ob es nicht doch noch natürliche Biotope gibt, die ganzjährig, unabhängig von Pumpen und Stauseen, Wasser führen.

Den Rückflug nach Deutschland überstanden die Jungfische schadlos. Ich übergab die Tiere Dr. Jörg Freyhof (Forschungsinstitut und Museum Alexander König, Bonn), der mir mündlich mitteilte, das die Cypriniden pflegeleicht sind und sich in gut bepflanzten Aquarien sogar vermehren.

Das waren Beobachtungen, die ich wie oben erwähnt, 1995 machen konnte. Heute stellt sich die Situation für Ladigesocypis ghigii noch bedrohlicher dar. Jetzt sind die kleinen Cypriniden durch nicht einheimische Fischarten, die im Apolakkia- Stausee ausgesetzt wurden, zusätzlich gefährdet. Ein weiterer, geplanter Stausee am Fluss Gadauras, dürfte die Populationsdichte noch weiter zurückdrängen.

In den FFH- Richtlinien ist Ladygesocypris ghigii heute als prioritäre Art aufgeführt.

Deshalb sollte der interessierte Aquarianer, der auf Rhodos Urlaub macht, in Zukunft auf eine Naturentnahme von Ladigesocypris ghigii verzichten. Wer sich die kleinen Cypriniden aber trotzdem anschauen möchte, findet sie bestimmt im Aquarium, im nördlichen Teil von Rhodos Stadt.

 Im Keller sind circa 25 Aquarien und im Parterre präparierte Meerestiere (Haie, Wale, Schildkröten usw.) ausgestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heinz Morche