Süsswasserfische

Erstmals wurde der Zwergbärbling 1905 nach Deutschland importiert. Um ihn entbrannte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Auseinandersetzung zwischen Ichthyologen. Einige waren der Ansicht, dass er keine eigenständige Art sei, sondern das Jugendstadium von Rasbora kalochroma darstelle. Noch 1916 wurde diese Meinung von WEBER & DE BEAUFORT bestätigt. Erst durch viele Liebhaberzuchten und auch wissenschaftliche Untersuchungen, stellte DE BEAUFORT klar, dass diese Ansicht nicht aufrecht zu erhalten sei und gab DUNKER recht, dass es sich um eine echte Art der Gattung Rasbora handelt. Inzwischen wurde der Zwergbärbling in die neu geschaffene Gattung Boraras eingegliedert und ist als Boraras maculatus zu bezeichnen.

 

In den 1950er und auch noch in den 1960er Jahren war der Zwergbärbling in den Zoohandlungen oft zu sehen. Heute ist er, zumindest aus der deutschen Aquaristik, so gut wie verschwunden. Hoffentlich noch nicht ganz, so dass er vielleicht für die uns nachfolgenden Aquarianergenerationen doch erhalten bleibt. Mir ist klar, dass die Aquarienfreunde, die in den 1970er Jahren und später zu dem Hobby stießen, kaum diesen hübschen Fisch kennen gelernt haben. Die Frage, warum der Zwergbärbling in der deutschen Aquaristik vielleicht schon ausgestorben ist, ist relativ leicht zu beantworten. Einmal kann er in üblichen Gesellschaftsaquarien so gut wie nicht überleben. Er kann höchstens mit kleinen Arten der Gattungen Rasbora, Boraras und Trigonostigma vergesellschaftet werden. Und auch da können schon Probleme auftauchen. Zum anderen verlangt der Zwergbärbling auch von Zuchtbetrieben, aus denen heute die meisten Fische in den Handel kommen, Ansprüche, die von ihnen unter dem Aspekt der Rentabilität kaum oder gar nicht erfüllbar sind. Leider werden Aquarianer, die seltene Arten erfolgreich züchten, von den Handelsfirmen oftmals gemieden. Auch nur wenige Händler pflegen noch solche Beziehungen. Doch um problematische Arten für die Aquaristik zu erhalten, ist es unbedingt notwendig, dass hier ein Sinnenswandel einsetzt.

Der Zwergbärbling hat ein recht großes Verbreitungsgebiet. Er wurde in Hinterindien, auf der südlichen Halbinsel Malakka, in Singapur und auf Sumatra nachgewiesen. Dort lebt er in langsam fließenden Gräben oder Teichen. Typisch ist, dass diese Gewässer meist sehr verkrautet sind und einen schlammigen Bodengrund haben.
Die Gestalt des nur ca. 2,5 cm lang werdenden Bärblings, die Weibchen können ca. 0,5 cm größer werden, ist recht zierlich. In einem Artbecken gepflegt, braucht er wenig Platz.
Für bis zu zehn Individuen reichen 30 l Wasser aus. Trotz der recht versteckten Lebensweise in seiner Heimat liebt er die Sonne. Kann das Aquarium nicht so platziert werden, dass Sonnenstrahlen es erreichen, muss eine kräftige Beleuchtung eingesetzt werden. Man muss aber auch mittels dichter Bepflanzung für Schattenzonen sorgen. Anzuraten ist ein dunkler Bodengrund (aber kein Torf), da hierdurch die Farben des Zwergbärblings besser zur Geltung kommen. Gut bewährt hat sich dunkler Splitt. Das Wasser sollte leicht sauer (pH 6 bis 6,8) und möglichst weich (3 bis 6 °dGH) sein. An die Wassertemperatur werden keine großen Ansprüche gestellt, 23 bis 25 °C sind völlig ausreichend. Das Futter muss allerdings sehr klein sein. Ausgewachsene Daphnien sind zu groß. Zerbröseltes Flockenfutter wird willig angenommen.

Bedingt durch das große Areal, in dem der Zwergbärbling beheimatet ist, haben sich lokale Formen gebildet, die in der Grundfarbe voneinander abweichen. So kann diese von gelblich-braun bis kräftig purpurrot variieren. Deshalb wähle ich bei der Beschreibung die so genannte goldene Mitte. Der Körper zeigt auf gelblichen Grund einen purpurroten Glanz. Die Grundfarbe kann jedoch auch oliv sein, der Rücken ist ziegelrot, die Seiten gelblich-rot und der Bauch gelb. Doch der purpurrote Glanz bleibt. In Höhe der Bauchflossen ist etwa in Körpermitte ein großer runder, blau-grau bis schwarz gefärbter Fleck vorhanden, der goldfarbig umrandet ist. Kleine, gleich gestaltete Punkte und Fleckchen verteilen sich unregelmäßig auf dem Körper. Die Augen sind meist goldfarben umrandet. Die Flossen, mit Ausnahme der Brustflossen, sind rot-gelb. Die Vorderkante der Rückenflosse und auch ihre Spitze ist schwarz. In den gefärbten Flossen sind kleine schwarze Fleckchen verteilt. In der Afterflosse ist im vorderen Bereich ein schwarzer Fleck vorhanden.

Die Geschlechter sind relativ gut zu unterscheiden. Die Männchen sind farbintensiver und im Körperbau schlanker als die Weibchen, die auch eine deutlich gerundete Bauchlinie haben. Ein Zuchterfolg ist oft von einem harmonierenden Paar abhängig. Im Becken innerhalb des Schwarmes die richtigen zusammenpassenden Partner zu finden und vor allem zu fangen, ist recht schwierig. Besser ist es, vor dem Zuchtansatz die Geschlechter etwa. 14 Tage zu trennen und vor allem die Weibchen gut mit Futter zu versorgen, damit sie einen deutlichen Laichansatz bekommen. Es hat sich auch bewährt, jüngere Weibchen mit älteren Männchen zu verpaaren. Im Ablaichbecken ist der Wasserstand niedrig zu halten und viel feingliedrige Pflanzen sind als Laichsubstrat einzubringen. Die Pflanzen sollten mindestens 80 % des Beckenvolumens einnehmen, denn die Zwergbärblinge sind exzellente Laichräuber.
Ebenfalls bewährt hat es sich, die untere Beckenhälfte abzudunkeln.
Das Zuchtwasser kann die gleichen Wasserwerte haben wie im Artaquarium, nur die Temperatur muss mit 26 bis30 °C deutlich höher liegen. Das Zuchtpaar sollte nachmittags oder abends eingesetzt werden. Meist laicht es schon am nächsten Tag. Die Weibchen können alle fünf bis sieben Tage erneut zur Zucht angesetzt werden, die Männchen benötigen eine Erholungsphase von 10 bis 14 Tagen.
Die Jungfische schlüpfen, abhängig von der Temperatur, zwischen 24 und 48 Stunden und sind in den ersten Lebenstagen sehr wärmebedürftig und reagieren auf Temperaturschwankungen äußerst empfindlich. Nach dem Freischwimmen müssen sie mit Infusorien angefüttert werden. Sie wachsen schnell heran. Schon nach ca. drei Monaten können die Geschlechter unterschieden werden und nach etwa acht Monaten sind die Nachkommen ausgewachsen. 30 Jungfische pro Zuchtansatz gelten als ein guter Erfolg.

 

 

 

Horst Ebert