Süsswasserfische

Bisher wurden 25 Pyrrhulina-Arten beschrieben. Obwohl es sich um kleinere und recht lebhafte Salmler handelt, gelang es ihnen trotz ihrer Schönheit und Anspruchs-losigkeit nicht, in der Aquaristik solch eine Verbreitung zu finden, wie es viele andere Salmler schafften. Um sie nicht gänzlich in die Vergessenheit geraten zu lassen, möchte ich diese Gattung vorstellen. Zumal über sie und deren Arten bisher wenig veröffentlicht wurde. Natürlich werde ich nur die Arten nennen, die in der Aquaristik einmal bekannt wurden. In meiner nun weit über 50-jährigen Aquarianerlaufbahn gelang es mir, auch viele Salmlerarten nachzuziehen, so auch eine Pyrrhulina-Art. Mancher Leser wird die Frage stellen: Warum ist er nicht bei der Pflege dieser Arten geblieben? Die Antwort ist einfach. Ein begeisterter Aquarianer sucht immer neue Herausforderungen. So zogen mich hauptsächlich die Killifische in ihren Bann. Sie sind bunt und nach Angaben in der Literatur waren sie in dem mir zur Verfügung stehenden Wasser nicht zu pflegen oder gar zu vermehren. Diese Hürde wollte ich nehmen. Ich habe sie genommen und aus diesem Grunde ging das Interesse an den Salmlern zurück. Dies als Zwischenblende, weshalb ich hier auch nur zurückliegende Erfahrungen einfließen lassen kann.

 

Allgemeines zur Gattung Pyrrhulina und Anmerkungen zur Pflege und Zucht
Alle "Feuerfarbigen" eine schlanke gestreckte Gestalt. Die Schwanzflosse ist stets mittig eingeschnitten. Bei der Pflege sind keine allzu großen Aquarien erforderlich. Doch eine Kantenlänge von 80 cm sollten den schwimmfreudigen Fischen schon angeboten werden. Die Aquarien sind möglichst dicht zu bepflanzen, wobei großblättrige Pflanzen, wie Echinodorus- oder Cryptocoryne-Arten besonders gut geeignet sind. Die Männchen treiben sehr stürmisch, somit müssen für die Weibchen ausreichend Versteckmöglichkeiten angeboten werden. Außerdem wählen alle Arten solche Pflanzen als Ablaichmöglichkeit.

Pyrrhulina-Arten sind ideale Fische für sogenannte Gesellschaftsaquarien. Sie sind ausgesprochen friedlich und stellen an die Versorgung nur geringe Ansprüche. Wenn auch Lebendfutter bevorzugt wird, insbesondere Insekten, die auf der Wasser-oberfläche treiben, sind sie auch mit Frost- oder Flockenfutter zufrieden. Ideal sind Wasserwerte von 4-6 °dGH, 6,5-7 pH und 26-28 °C.

Auch wenn im Gesellschaftsaquarium schon Paarungen beobachtet wurden und im Idealfall, dazu ist eine Schwimmpflanzendecke erforderlich, auch einzelne Jung-fische groß gezogen werden konnten, ist für eine rationelle Zucht ein paarweiser Ansatz vorzuziehen. Bei der Einrichtung des Zuchtaquariums sind großblättrige Pflanzen eine unbedingte Notwendigkeit. Ferner müssen ausreichende Versteck-möglichkeiten für die Weibchen vorhanden sein. Als Bodengrund ist feinkörniger Sand zu wählen. Warum? Manche Paare lehnen die Pflanzen als Laichmedium ab. Das Männchen schafft sich dann eine Mulde im Bodengrund um, dort den Laich-platz zu errichten. Hat das Paar gelaicht, ist das Weibchen heraus zu fangen, denn es stört das Männchen bei der Pflege des Geleges und kann von diesem sehr verletzt werden. Das Männchen verteidigt das Gelege und steht darüber, um den Eiern sauerstoffreiches Wasser zuzuwedeln.

Sind die Jungfische geschlüpft, ist es ratsam, auch das Männchen heraus zu fangen, denn jetzt erlischt der Brutpflegeinstinkt und seine Nachkommen werden oft als Futter angesehen. Eine andere, weniger riskante, Methode ist, beide Elterntiere nach dem Ablaichen zu entfernen. Ein schwach eingestellter Ausströmer ist so zu positionieren, dass die Luftbläschen über das Gelege rollen. Haben die Larven die Eier verlassen, hängen sie an den Scheiben oder Pflanzen. Nach zwei bis drei Tagen haben sie ihren Dottersack aufgebraucht und schwimmen dicht unter der Wasseroberfläche. Nun sind sie anzufüttern. Am besten geeignet sind Infusorien, z. B. Rädertierchen, oder aber auch feinstzerriebenes Flockenfutter. Das Wachstum ist anfangs sehr langsam. Erst wenn es den Kleinen gelingt, größeres und möglichst kräftiges Futter, z. B. Cyclops, zu bewältigen, zeigt das Wachstum gute Fortschritte.

Wie schon gesagt, wurden die wenigsten Arten der Gattung Pyrrhulina aquaristisch bekannt. Und noch weniger konnten, zumindest zeitweilig, eine Verbreitung in der Liebhaberei finden. Die Gattung ist eng mit den aus der gleichen Unterfamilie stammenden Gattungen Copella und Copeina verwandt. Die wesentlichsten Unter-schiede zu diesen Gattungen bestehen, in einem vom Liebhaber kaum festzustel-lenden Unterschied, darin, dass Pyrrhulina zwei Zahnreihen hat und die anderen nur eine. Eine Fettflosse haben Pyrrhulina-Arten nicht.

Aquaristisch bekannte Pyrrhulina-Arten
Die nachfolgende Auflistung ist nach Artnamen alphabetisch geordnet.

  • Pyrrhulina brevis
    Der Schuppenfleck-Salmler, so der deutsche Populärname für Pyrrhulina brevis, ist im Amazonas und im Rio Negro beheimatet. Im Aquarium kann er eine Gesamtlänge von 8,5-9 cm erreichen. Gegenüber anderen Pyrrhulina-Arten wirkt seine Gestalt etwas gedrungen und die Schwanzflosse ist nur wenig eingeschnitten. Der Rücken ist braun bis bronzegrün. Die Körperseiten glänzen – je nach Population – blass bläulich oder rötlich. Die Bauchregion ist silbern und hat einen schwach rötlichen Schimmer. Vom Unterkiefer über das Auge bis unter die Rückenflosse verläuft eine schwarze Binde. Auf den Körperseiten verteilen sich rote Punkte zu vier Längsreihen. Je nach Population zeigen die Flossen eine leuchtend rote Farbe mit schwarzem Saum oder sind feuerrot und nur die Rücken-, After- und Bauchflossen sind schwarz gesäumt. In diesem Falle haben die Fische einen schwarzen Fleck an der Vorderkante der Rückenflosse. Die Weibchen sind deutlich schwächer in den Farben, haben gelbliche Flossen, die nicht gesäumt sind. Der Schuppenfleck-Salmler ist nicht sehr schwimmfreudig, aber wärmebedürftig. Mindestens 23 °C müssen angeboten werden. Temperaturen nahe der 30 °C-Marke sind vorteilhafter. Er ist normalerweise friedlich, doch zur Laichzeit kann er recht aggressiv werden. Es gelang bisher noch nicht, ihn zu vermehren.
  • Pyrrhulina laeta
    Die Heimat ist der mittlere bis obere Amazonas. Pyrrhulina laeta kann eine Gesamtlänge von 8 cm erreichen. Typisch ist, dass dieser Salmler einen sehr spitzen Kopf hat. Der Oberkörper ist braun, sonst ist der Körper mit einer graubraunen Farbe mit schwachem bläulichem Schimmer versehen. Mitunter können zwei schwarze Flecke auf dem Körper sein. Die Bauchpartie ist gelblich-weiß. Eine dunkelbraune bis schwarze Binde, sie kann aus Flecken gebildet werden, verläuft vom Unterkiefer über das Auge bis in Höhe der Rückenflosse. Die Flossen sind gelblich bis rötlich. After- und Bauchflossen sind hellblau gesäumt. Auch die äußeren Strahlen der Schwanzflosse haben diese Farbe. Ein großer schwarzer, mitunter hell umrandeter Fleck befindet sich in der Rückenflosse. Die Weibchen sind erheblich heller in den Farben.
  • Pyrrhulina rachoviana
    Die Heimat des nur 5 cm groß werdenden Augenfleck-Salmlers ist der untere Rio Paraná und das La Plata-Gebiet. Der Körper ist – je nach Population – bräunlich oder grünblau. Der Rücken ist stets braun und vom Kopf bis zur Schwanzwurzel verläuft eine dunkle Längsbinde. Diese wird oberhalb und unterhalb von einer goldglänzenden Zone begleitet. Auf dem Körper, insbesondere auf dem Vorder-körper, befinden sich rote Punkte und Flecke, die Reihen bilden. Die Flossen sind gelblichgrün. In der Rückenflosse befindet sich ein ovaler schwarzer Fleck. Bei auffallendem Licht erscheinen alle Flossen schwach bläulich gesäumt. Die Weibchen sind unscheinbarer in der Farbe. Die Flossen der Männchen sind deutlich größer und der obere Lappen der Schwanzflosse ist lang ausgezogen. Dieser sehr schwimmfreudige Salmler liebt auch die Geselligkeit und sollte deshalb nicht unter sechs Exemplaren gepflegt werden. Mitunter werden sie untereinander leicht zänkisch. Sie sind recht produktiv. Der Laichakt, der ca. 30 Minuten dauert, erbringt 50 bis 200 Eier. Beim Augenfleck-Salmler empfiehlt es sich unbedingt, beide Elterntiere nach dem Ab1aichen heraus zu fangen und die Methode mit dem Ausströmer anzuwenden.
  • Pyrrhulina spilota
    Beheimatet ist der Dreipunkt-Salmler in kleinen Urwaldbächen im peruanischen Teil des Amazonasgebietes. Die Terra typica liegt bei der Ortschaft Iquitos. Dort betrugen die Wasserwerte 1,3 °dGH, 6,2 pH und 28 °C. Männchen werden sie bis 8 cm und Weibchen 6,5 cm lang. Die Körperfarbe ist hell sandfarben. Die recht großen Augen haben oben eine ziegelrote und unten eine goldgelbe Farbe. Drei große, tiefschwarze Flecke sind auf den Körperseiten sichtbar. Der erste befindet sich oberhalb der Brustflossen, der zweite über der Afterflosse und der dritte auf der Schwanzwurzel. Von der Schnauzenspitze über das Auge bis hinter die Kiemendeckel verläuft eine schmale schwarze Binde. Alle Flossen sind rötlich. Die Afterflosse ist ziegelrot und hat schwarze Fleckenzeich-nungen. Die äußeren Strahlen der Rücken- und der Schwanzflosse sind hellblau gesäumt. Die Brustflossen sind oft schwarz gerandet. Bei den Männchen sind die Schuppen in der Bauchregion markant rot gerandet.
  • Pyrrhu1ina vittata
    Obwohl Pyrrhulina vittata am häufigsten in der deutschen Aquaristik verbreitet war, wurde ihm noch kein deutscher Populärname gegeben.
    In der Heimat wird dieser Salmler bis zu 7 cm lang. Im Aquarium bleibt er wesentlich kleiner und ist mit ca. 5 cm ausgewachsen. Beheimatet ist Pyrrhulina vittata im Rio Amazonas und im Rio Tepajos. Als Terra typica wird die Ortschaft Santarém genannt. Die Körperfarbe ist gelblichgrau und an den Seiten ist ein bläulicher oder grünlicher Glanz feststellbar. Der Rücken ist graugrün oder bräunlich. Die Bauchregion ist weißlich, aber oft rötlich angehaucht. Die Schuppen im oberen Körperbereich sind zart dunkel angehaucht und haben einen hellen Fleck. Eine dunkle Binde, die wie ein Pferdezügel geformt ist, beginnt am Unterkiefer, zieht sich durch die Augen und endet im Bereich des Brustflossenansatzes. Auf dem Körper befinden sich drei längliche schwarze Flecke. Diese be-finden sich hinter den Brustflossen, über der Afterflosse und im Bereich der Schwanzwurzel. Alle Flossen sind farblos bis zart rötlich. Oft sind sie bläulichweiß gesäumt. Die Rückenflosse hat einen hell umrandeten großen schwarzen Fleck. Die Weibchen haben die gleichen Farben wie die Männchen, nur schwächer. Die Männchen haben einen verlängerten Oberlappen der Schwanzflosse. Die ausgesprochen friedlichen Fische sind sehr produktiv. Ein Gelege von 200 bis 300 Eiern ist keine Seltenheit. Die Weibchen sind große Laichräuber. Anzuraten ist, beide Elterntiere nach dem Ablaichen aus dem Zuchtaquarium heraus zu fangen. Die Aufzucht der Jungen ist sehr leicht.
  • Pyrrhulina zigzag
    Der Artname wurde nach der dunklen Zickzack-Binde auf den Körperseiten der Fische vergeben. Die Heimatgewässer sind stets stehend und befinden sich im Einzugsgebiet des Rio Ucayali in Peru. Der Zickzack-Salmler wird maximal 8 cm lang, die Männchen bleiben stets kleiner. Der Körperbau ist schlank und die Flossen sind stark verlängert. Die Körperfarbe ist gelblicholiv bis hellbraun. Darauf liegt ein bläulicher Schimmer. Von der Schnauzenspitze zieht sich bis in die Schwanzflossenbasis eine tiefschwarze zickzackförmige Längsbinde. Beim Weibchen verblasst sie beim Laichen. Die Flossen sind bei beiden Geschlechtern transparent. Beim Männchen ist der Rand der After- und der Brustflossen oft schwarz. Die Basis der Rückenflosse ist gelblicholiv und darauf folgt ein schwarzer Fleck. Die Pflege ist bei 25-28 °C, 7 pH und bis 20 °dGH möglich. Zur Zucht müssen aber Werte von 26-29 °C, 6 pH und maximal 10 °dGH angeboten werden. Als Nahrung ist kleines Lebendfutter und Insektenlarven das Beste, Trockenfutter wird aber auch nicht verschmäht, doch damit ist kein Laichansatz bei den Weibchen zu erreichen. Die Pflege sollte in nicht zu kleinen Aquarien erfolgen, eine gute Be-pflanzung ist eine Voraussetzung. Eine Vergesellschaftung mit ruhigen, nicht allzu schwimmfreudigen Arten ist möglich. Eine Pflege im Artaquarium ist aber vorzuziehen, denn dort können der Zickzack-Salmler sein Verhaltensrepertoire ausleben. Die Männchen bilden nämlich gerne Reviere. Die Zucht ist recht leicht. Voraussetzung ist die Versorgung mit Lebendfutter. Im Zuchtaquarium müssen breitblättrige Pflanzen vorhanden sein, die von den Fischen als Laichsubstrat genutzt werden.
    Das Männchen betreibt Brutpflege. Diese beginnt mit der Reinigung des Ablaichplatzes und der Bewachung des Laiches. In einem Gelege können 200 Eier vorhanden sein. Die Larven schlüpfen bei 25 °C nach ca. 24 Stunden. Sie sollten nach ca. zwei Tagen mit Artemia oder Cyclops-Nauplien angefüttert werden. Das Weibchen muß nach dem Ablaichen und das Männchen ca. 18 Stunden danach aus dem Zuchtbecken heraus gefangen werden.

 

 

 

Horst Ebert