Süsswasserfische

Dieser Killifisch beschäftigt schon seit Jahrzehnten Aquarianer und Wissenschaftler. Ursache hierfür ist seine Vielfalt in Farbe und Zeichnungsmuster der unterschiedlichsten Populationen. Schon im Jahre 1967 regte ich zu diesem Problem in der Aquarien-Terrarien-Zeitschrift (AT) bereits eine Diskussion an, die über längere Zeit anhielt und für die damalige Zeit wesentliche Klärungen in dem Namenswirrwarr brachte, insbesondere durch Herrn Scheel. Er machte in dieser Diskussion 1967 die Feststellung, dass wir es mit zwei Superspezies zu tun haben.

 

Er ordnete die uns bekannten "Arten" aus dem Raum Nigeria/West-Kamerun wie folgt diesen Superspezies zu:

- Superspezies Aphyosemion calliurum
Darunter fallen nach seiner Ansicht:
• A. calliurum aus Südnigeria
• A. ahli aus Westkamerun
• A. australe aus Südgabun
• A. vexillifer südlich von A. australe vorkommend, sei aber ein Synonym von A. calliurum

- Superspezies Aphyosemion gardneri Hierzu ordnet er
• A. gardneri aus Westkamerun und Nigeria
• A. walkeri = A. spurelli von der Elfenbeinküste und aus Südwestghana
• A. nigerianum wird bereit als Synonym für A. garndneri ausgewiesen.



Ob diese Gliederung heute noch haltbar ist, könnte man bezweifeln. Um Beweise und somit klare Entscheidungen bezüglich Art oder Nichtart, gültiger Name oder Synonym treffen zu können, müssen Wissenschaftler sich dieses Problems annehmen. Wir Aquarianer können nur aufmerksam machen und unsere eigenen Beobachtungen mit den Fischen bzw. Gedanken äußern. Diesem Ziel sollen auch meine weiteren Ausführungen dienen, denn ich pflege seit 1964 einen Zuchtstamm ohne Unterbrechungen.

Aus der Literatur ist zu entnehmen, dass Killis, die als Aphyosemion gardneri angesprochen werden, in kleinen und kleinsten Tümpeln leben. Einige Tümpel sollen auch zeitweilig austrocknen. Ob in diesen Fällen Laichkörner im zurückbleibenden Bodengrund lebensfähig bleiben und diese Killis somit eine zumindest ähnliche Lebensweise annehmen wie die echten Saisonfische, wird nichts geschrieben. Die Killis leben in Biotopen, die oft weit von einander getrennt sind. Damit verbunden ist, dass A. gardneri in drei gänzlich unterschiedlichen Hauptverbreitungsgebieten gefunden wurde:

1: Tropischer Regenwald in Südwestnigeria, der im Norden und Osten durch den Niger begrenzt wird.
2. Trockenes Savannengebiet im nördlichen und mittleren Teil Nigerias. Es handelt sich im wesentlichen um das Gebiet der Hochebene von Jos.

Als südliche Grenze wird der Niger und der Benue angegeben und im Norden ist es die trockene Sahel-Zone. In diesem Vorkommensgebiet sind saisonbedingte Regen- und Trockenzeiten charakteristisch.

3. Teilweise mit Bäumen bewachsenes Savannengebiet in Ostnigeria und Westkamerun. Als Grenzen für dieses Gebiet sind im Westen der Niger, im Norden der Benue und im Osten die Kamerunberge.

Jedem wird verständlich, dass es bei dem riesigen Verbreitungsgebiet (ca. 700 km Luftlinie) und den äußerst unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen in den Hauptverbreitungsgebieten völlig natürlich ist, dass sich stark von einander abweichende Populationen entwickelten. Neben den klimatischen Unterschieden kommen zwangsläufig andere hinzu wie: Wasserverhältnisse, Futterangebot oder Feindfaktoren, die über einen längeren Zeitraum auf die Individuen einwirken und die einzelnen Populationen zwingen, sich ihrer Umwelt möglichst optimal anzupassen. Hierbei spielen Farben und Zeichnungen am Körper eine wesentliche Rolle. So sollen bereits 20 Populationen bekannt sein (wie ich glaube, werden es bestimmt noch mehr werden).

Scheel stellte fest, dass nicht nur das Zeichnungsmuster erheblich unterschiedlich sein kann, sondern dass es auch in der Anzahl der Chromosonenansätze Abweichungen von 18 bzw. 20 gibt. Für meine Begriffe ein Novum innerhalb einer Art. Auch bewies er, dass die Hybriden zwischen Fischen, die aus der Gegend der Wasserscheide, also der Gegend des Jost-Plateaus, stammen und Fischen aus dem westlichen Gebiet, diese Population wurde in Deutschland als A. nigerianum bekannt, fruchtbar sind. Eigentlich ist dies ein Beweis dafür, dass es sich um ein und dieselbe Art handelt. Scheel zeichnete das Zeichnungsmuster von drei verschiedenen Populationen. Wenn man diese Abbildungen betrachtet, kann durchaus von drei verschiedenen Fischen gesprochen werden. Aber nicht nur Zeichnung und Farbe weisen wesentliche Unterschiede zwischen den einzelnen Populationen auf, auch die Beflossung differiert erheblich.

Neumann schreibt zu A. gardneri, dass es sich um einen ganzen Formenkreis mit einer größeren Anzahl von Arten und Unterarten handelt, somit gibt dieser Fisch einer ganzen Gruppe seinen Namen. Offensichtlich handelt es sich hier um eine Anlehnung an die Meinung von Scheel bezüglich der Super-Spezies. Von Unterarten spricht Scheel nicht und dieser Terminus erscheint auch etwas unglücklich gewählt, denn er kann doch dazu führen, dass man eindeutig erkannte Synonyme wieder als Unterart aufleben lässt. Damit ist uns aber nicht geholfen.

Alle Autoren sind sich bei der unterschiedlichsten Farb- und Zeichnungsgestaltung der Männchen darin einig, dass die Weibchen völlig gleich aussehen bzw. völlig unwesentliche Unterschiede in der Verteilung der roten Punkte am Körper aufweisen. Dies kann ich aus meinen langjährigen Erfahrungen bestätigen.

Eine andere interessante Feststellung machte Stallknecht, der feststellte, dass bereits die erste Nachzucht einer Population von A. gardneri unterschiedlich gefärbte Männchen aufweist.

Hieraus leitet sich für mich nur ab, dass wir es tatsächlich mit einer Art zu tun haben, die sehr anpassungsfähig auf die sie umgebende Umwelt reagiert und zum anderen es der Arterhaltung sehr dienlich sein könnte, wenn die Männchen unterschiedlich aussehen. So wäre stets gesichert, dass die der jeweiligen Umwelt am günstigsten Angepassten die Art erhalten können.

Eines möchte ich noch erwähnen. In den Veröffentlichungen wurde oftmals eine Ähnlichkeit mit A. australe angesprochen. Da ich diese Art ebenfalls sehr lange habe, deshalb mir zumindest ein Liebhaberurteil erlaube, verneine ich dies prinzipiell. A. gardneri und A. australe haben erhebliche Unterschiede im Schwimmverhalten, in der Art des Zusammenlebens, im Verhalten, wenn artfremde Fische vergesellschaftet werden. Hier wird A. gardneri, insbesondere das Alpha-Tier, stets den anderen Fischen klarmachen, wer der Herrscher im Aquarium ist. Bei A. australe beobachtet man stets, dass sie sich verkriechen, selbst wenn kleinere Salmler als Mitbewohner angeboten werden. Am Ende gehen die A. australe ein. Aus diesen und anderen Verhaltensstudien bezweifele ich, dass hier eine sehr enge Verwandtschaft vorliegt.

Zum Schluss noch einige kleine Hinweise für den Liebhaber, der sich mit Aphyosemion gardneri beschäftigen möchte und noch keine Erfahrungen mit Killis hat. A. gardneri stellt nur wenig Ansprüche. Eine Heizung ist erst notwendig, wenn das Aquarienwasser unter 16 °C fällt, die Fische halten aber kurzzeitig auch 32 °C aus. Die Idealtemperatur liegt bei 20-22 °C, hier laichen sie auch ab. Sie können ohne Pflanzen gepflegt werden, nur der Bodengrund sollte abgedunkelt sein. Hierzu kann man Kies oder Torf nehmen. Steine oder große Torffasern als Gestaltungselemente reichen zum Wohlbefinden aus. Sie zeigen trotzdem ihre herrlichen Farben. Eine schwache Beleuchtung ist für diese Fische geeigneter als eine zu helle. Gefüttert sollte wenig werden, dafür aber kräftiges Futter verwenden. Sie sind keine Freunde von Trockenfutter, obwohl sie es auch annehmen. Dabei hat sich bei mir Insektenschrot als geeignetes Trockenfutter erwiesen. Die Wasseransprüche sind zu ertragen. Meine A. gardneri leben und vermehren sich bei 14-16 °dGH und einem pH-Wert von 7. Zum Laichen werden sie paarweise in ein 3-Liter-Becken gegeben, was nur ein Büschel Javamoos als Einrichtung hat, dieses dient als Laichmedium. Die Eier sind klar (bei A. australe sind sie leicht bräunlich) und entwickeln sich in Abhängigkeit von der Temperatur zwischen 18 und 20 Tagen, im Ausnahmefall können auch Liegezeiten von 30 Tagen auftreten. Die frisch geschlüpften Jungfische können sofort mit Mikro bzw. mit Artemien gefüttert werden und wachsen bei gutem Futterangebot schnell. Nach sechs bis acht Monaten sind sie wieder für die Zucht verwendungsfähig.

 

 

 

Horst Ebert