Technik

Ein Artikel in "das Aquarium", zum Thema Unterwasserfotografie hat mein besonderes Interesse geweckt und mich zu einer Gegenüberstellung der verschiedenen Möglichkeiten Fische oder Korallen in der Natur zu fotografieren bewogen.

Auffallend ist auch, daß es sehr wenig hochwertige Fotos von Süßwasserfischen gibt.
Die tollen Bilder in den Magazinen sind bei Süßwasser fast ausschließlich in speziellen Fotobecken entstanden, für den Bereich Seewasser sind sie oftmals im natürlichen Lebensraum der Tiere entstanden. Ein Grund hierfür ist das oft trübe Wasser aus dem unsere "Süßen Pfleglinge" kommen. Schwarzwasser und Weißwasser bieten keine nennenswerte Sichtweite, man kann die Tiere überhaupt nicht finden, Fotos sind hier nicht zu machen.

 

Ganz anders die Situation im Meer. Sichtweiten um 10 Meter gelten hier als eher schlecht!! Beste Bedingungen, um Tiere zu finden und ordentlich auf Zelluloid zu bannen. Daß das Schnorcheln oder Tauchen im lauwarmen glasklaren Wasser der Karibik deutlich angenehmer ist als das Baden im trüben, von Piranhas, Blutegeln und Kaimanen gesättigten Biotop unserer Zierfische, sei nur nebenbei erwähnt.

Aber wie kommt man jetzt an ein schönes Foto vom bunten Fisch?

Fangen wir mit der preiswertesten "Ausrüstung " an, z. B.- Fuji Film mit Linse. Diese wasserdichte Version ist für ca. 10 Euro überall dort zu haben, wo Touristen und Wasser aufeinandertreffen. Der Preis ist hier der große Vorteil, ich befürchte aber auch der Einzige.

In diese Kamera ist ein hochempfindlicher (grobkörniger) Negativfilm eingelegt, der nur Papierbilder in bescheidener Qualität erlaubt. Bei einem Urlaub auf den Malediven ist damit jedoch sicherlich das eine oder andere Bild mit Erinnerungswert zu machen. Diese Kameras sind laut Hersteller bis zu ca. 5 Meter wasserdicht. Versuche von Tauchern haben gezeigt, daß es auch noch viel tiefer geht - 25 Meter und mehr!!! Schade, daß man in dieser Tiefe bei den Kameras, die einen Auslöseknopf oben haben, nur ein Bild in der Tiefe machen kann!!
Der Wasserdruck läßt den Auslöser nicht mehr hochkommen, der Film kann nicht weitertransportiert werden. Beim Auftauchen kommt der Knopf dann wieder hoch!

Die nächste Preisklasse ist eine einfache Sucherkamera in einem wasserdichten Gehäuse bzw. eine Sucherkamera die wasserdicht (3 - 10 Meter) ist. Der Markt bietet hier einige Modelle für ca. 100 bis 250 Euro. Hier kann man dann wenigstens den Film seiner Wahl einlegen, also auch mal einen Diafilm, aber die optische Leistung dieser Kameras und die Ausbeute pro Film ist doch bescheiden. Übung und Erfahrung im Umgang, klares Wasser und große Fische können aber durchaus für Freude beim Betrachten der "eigenen Unterwasserbilder " sorgen. Kommen wir zum wasserdichten Beutel (siehe die Bilder - das Aquarium 8/2001) in den wir eine Spiegelreflexkamera stecken. Das war auch meine erste Idee. Ich nehme es vorweg, auch hier ist beim Betrachten der Ergebnisse mehr die Leidensfähigkeit des Fotografen gefragt.
Die von Jürgen Gries gemachten Bilder in seinem Bericht des Drückerfisches und der Doktorfische sind eine Ausnahme oder das Ergebnis von unzähligen Versuchen oder auch nur Glück, Sie gefallen mir übrigens ausgesprochen gut!

Unserem Vereinsfreund Frank Münz ist es gelungen, einen Schilderwels ganz ordentlich abzulichten. Gut genug um im Diavortrag gezeigt zu werden! Wie schon erwähnt, solche Bilder haben Seltenheitswert! Die von der Firma EWAMARINE gefertigten Beutel sind in meinen Augen ein toller Schutz für eine Spiegelreflexkamera vor Nässe (Urwald) und auch vor Sand!!!! Da der Beutel kaum Platz im Reisegepäck braucht, allemal zu überlegen. Preis
ca. 70 bis 120 Euro.

Wer etwas mehr Geld übrig hat, ab ca. 500 Euro, kann sich eine Sea+Sea Kamera zulegen, die schon eher für den Unterwassereinsatz geeignet ist. Die Kameras sind häufig als Leih-Kameras bei Tauchschulen zu finden. Sie sind robust, zuverlässig und können mit Systemzubehör für Makro- oder Weitwinkelfotografie erweitert werden. Da die Kameras Sucherkameras sind, ist die Bildgestaltung systembedingt doch recht schwierig.

Kommen wir zum Klassiker der Unterwasserkamera schlechthin - der Nikonos.
Für ca. 900 Euro ist das Gehäuse mit dem 35 mm Objektiv noch zu bekommen, noch, denn die Produktion wurde inzwischen eingestellt. Diese Kamera ist weltweit in großen Stückzahlen zu finden und ist der Einstieg in die professionelle Unterwasserfotografie, wenn es um die Qualität geht! Ein Blitzgerät, entsprechende Makrozwischenringe oder -Linsen - und man kann Bilder von überzeugender Qualität machen. Der Preis nebst dem beschriebenen Zubehör liegt dann aber schon bei ca. 1500 Euro. Eine Sucherkamera, die sich vorzüglich ausbauen läßt, aber eben immer noch eine Sucherkamera. Das Bild im Sucher entspricht nicht dem was man nachher auf dem Film hat. Die Kamera wird auch heute noch häufig von Profis mit dem Superobjektiv mit einer Brennweite von 15 mm genutzt! Preis der Linse nebst erforderlichem Sucher ca. 3000 Euro! Nein, die drei Nullen hinter der 3 sind kein Tippfehler! Daß die optische Leistung dieses System extrem gut ist, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen. Qualität hat ihren Preis.

Spaß beim Fotografieren kommt auf, wenn man seine Spiegelreflex in ein wasserdichtes stabiles Gehäuse packt, an dem die wichtigsten Bedienelemente der Kamera auf schöne griffige Hebel übertragen werden und der Suchereinblick eine ordentliche Betrachtung des Bildes zuläßt. Hier erreichen wir dann durchaus Preise, für die man alternativ auch einen Kleinwagen kaufen kann. Über Qualität reden wir nicht mehr. Eine Steigerung ist nicht mehr möglich? - Doch!

Nikon brachte vor einigen Jahren eine wasserdichte Spiegelreflexkamera auf den Markt, die NIKON RS , die sich insbesondere preislich noch ein wenig abhob. Berichten zufolge betrug der anfängliche Preis für das Gehäuse 12.000 US Dollar. Die Objektive, besonders das erste und einzige wasserdichte Zoomobjektiv, waren ebenfalls preislich aber auch in der Abbildungsleistung echt Spitze. Der Preis verhinderte die schnelle Verbreitung! Die Produktion der Kamera wurde nach relativ kurzer Zeit eingestellt - obwohl der Preis für das Kameragehäuse drastisch gesenkt wurde.

Fragen zum Thema beantworte ich gerne, soweit mir möglich.

 

Roland Pieper