Terraristik

Nun,.... wieder einmal ein Anruf von einem Tierheim: “Skorpion gefangen, sofort kommen! Sehr giftig!“

Ich schwinge mich also in den Wagen und fahre in das besagte Tierheim, das so häufig seine "Sorgen" mit "Gifttieren" hat und hatte .......... "Gifttiere"?

Ich erinnerte mich an meinen letzten Auftrag: ein extrem giftiges Tier wurde unter Lebensgefahr von einer älteren Dame mit einem Glas im Wald gefangen!!! Höchste Alarmstufe! In der letzten Zeit sehr häufig, besonders im "Giftschlangenbereich".

 

Ausrückenderweise fange ich dann in der Regel Ringelnattern, die einen Unterschlupf suchen (werden natürlich lt. BartSchG sofort am Fundort ausgesetzt, d. h. wenige Meter von der Fangstelle entfernt, was die Fänger ja nicht wissen müssen, denn alle Aufklärung hilft da nichts!!!).

Eine Ausnahme war mal eine Lampropeltis g. getulus, die aus einer Ansammlung von Zementsäcken gekrochen kam. - Dieses unter Einsatz ihres Lebens gefangene "Gifttier" war ein wunderschönes Exemplar einer Raupe eines Nachtschwärmers, Art leider unbekannt - kenne mich da nicht besonders aus, welche wohl auf dem Weg war, einen guten Platz zum Verpuppen zu suchen. Wurde natürlich sofort in die Natur entlassen!

Nun also ein Skorpi...... ich war schon sehr "beunruhigt".

Ich kam im Tierheim an und sah das Monster: eine Euscorpius sp. von ca. 3 cm Länge, welche sich als Euscorpius flavicaudus herausstellte. Nach einem ellenlangen Vortrag über die Ungefährlichkeit, der aber ob des Begriffes "Skorpion" nicht sehr glaubhaft wirkte (,"Explosiv" hatte wieder einige Tage vorher über die Grausamkeit und Hinterhältigkeit dieser Wesen berichtet), kam der Chef zu dem Entschluss, ich solle das Tier mitnehmen. Man sollte jetzt glauben, das sei kein Problem: aber ordnungsgemäß (jawoll, Leute, wir sind in Deutschland, dem Land der Aufrechten!) bekam ich das Tier erst in die Hand -natürlich im Glas- gedrückt, nachdem ich ordnungsgemäß einen von allen Beteiligten unterschriebenen "Überlassungsvertrag" des Tierheimes in der anderen Hand hielt. Der Passus‚ "der Erwerber verpflichtet sich, das Tier zu kastrieren, sterilisieren" wurde gestrichen. Eine Überlassungsgebühr musste ich auch nicht zahlen.

So lustig das klingen mag, ist es aber doch schön, dass es Leute gibt, die sich um die Sorgen ihrer Mitmenschen kümmern und diese ernst nehmen - und das tun die Beschäftigten dieses Tierheimes wirklich, wenn man, wie ich, als Sachkundiger für Gifttiere und Schlangen offiziell geführt wird, muss man halt auf so etwas gefasst sein - was auch nicht schlimm ist.

Was ich eigentlich nur zeigen will/wollte, ist, wie entfernt die meisten Menschen von der Natur leben, dass sie keine Raupen als solche erkennen (nur weil sie einen Stachel am Hinterkörper tragen), dass sie keine Ringelnatter mehr kennen........... das könnte man hier endlos fortführen. Bei einem Skorpion ist das natürlich etwas Anderes. Also als Quintessenz seid IHR hiermit aufgefordert, bei der Aufklärung der Bevölkerung mitzuarbeiten, damit auch unsere heimischen, seltenen Tiere nicht "platt gemacht" werden oder unnötig gefangen und gestresst werden.

 

 

Herbert Saurer