Terraristik

In diesem Artikel möchte ich einmal etwas näher auf diese überaus interessante Skorpiongruppe eingehen, die meiner Meinung nach zu den unterbewertesten Arten im Terrarium gehört, einmal da sie recht teuer sind, zum Anderen da sie recht schlecht determiniert in den Handel kommen und schließlich sind sie nicht "die Eleganz in Person".

Sie stellen zudem in der Pflege einige besondere Ansprüche, mit denen viele auch nicht so recht klar kommen. Ich möchte rein aus meinen Erfahrungen berichten, wie die Tiere zu halten sind. Hat jemand andere Erfahrungen gemacht, so kann er durch seinen Bericht zur Diskussion beitragen.

 

Häufig bei uns zu bekommen sind: (Infos nach: Kovarik (1998): Stiri; Madagaskar

Hadogenes troglodytes (Peters, 1862); Botswana, Republik Südafrika, Lesotho, Mozambique, Zimbabwe

Hadogenes granulatus Purcell, 1902; Botswana, Republik Südafrika; Lesotho, Zimbabwe

Hadogenes bicolor Purcell, 1899; Republik Südafrika (hier besondere Vorsicht: nicht überall, wo dieser Name dran steht, ist auch ein solches Individuum hinter verborgen! - in Deutschland wird nur gerne jede Hadogenes sp. als "bicolor" verkauft, das war schon immer so und wird so bleiben!)

Dringend warnen möchte ich vor Hadogenes sp. aus Tanzania! (Es handelt sich wahrscheinlich um "Iomachus sp."(???)). Das Verbreitungsgebiet dieser Gattung endet definitiv an der Diagonalen Angola im Westen und Mozambique im Osten Afrikas. Auch die Gattung "Hadogenese" ein Schreibfehler in der Erstausgabe meines Buches ist nicht existent. Viele Händler führen diese aber in ihren Listen zusätzlich zu dem validen Taxon an!

Hier seien der Vollständigkeit halber die anderen validen Taxa aufgeführt, denn es sind noch andere zu determinierende Tiere im Handel (eine Arbeit darüber folgt in Kürze).

Hadogenes austroafricus Penther, 1900; Südafrikanische Republik, Zimbabwe

Hadogenes gracilis Hewitt, 1909; Südafrikanische Republik

Hadogenes gunningi Purcell, 1899; Südafrikanische Republik

Hadogenes lawrenci Newlands, 1972; Namibia

Hadogenes minor Purcell, 1899; Südafrikanische Republik

Hadogenes paucidens Pocock, 1896; Kongo(?), Mozambique, Zimbabwe

Hadogenes phyllodes (Thorell, 1876); Südafrikanische Republik, Namibia

Hadogenes taeniurus (Thorell, 1876); Angola, Namibia

Hadogenes tityrus (Simon, 1888); Südafrikanische Republik, Namibia

Hadogenes trichiurus (Gervais, 1843); Südafrikanische Republik, Mozambique, Namibia

Hadogenes zuluanus Lawrence, 1937; Südafrikanische Republik

Hadogenes zumpti Newlands, 1980; Südafrikanische Republik

Erstaunlicherweise ist diese Gattung recht unbeliebt, denn Hadogenes troglodytes gehört zu einer der größten Skorpionarten mit bis zu 25cm Länge!

Ich denke, ein Manko der Tiere ist ihr sehr schlankes Metasoma, dass sie gar nicht so recht nach einem echten, gefährlichen (spielt ja immer - leider - noch sehr starke Rolle bei den Auswahlkriterien der Hausgenossen) aussehen lässt. zudem leben sie oft recht versteckt und "gehen schlecht ans Futter". Ihre Jungen wachsen extrem langsam (nämlich scheinbar gar nicht). Um hier ein wenig Aufklärungsarbeit zu betreiben und die Tiere dem geneigten Leser näher zu bringen, sei dieser Artikel geschrieben.

Betrachten wir uns erst einmal die natürlichen Habitate der Hadogenes sp. aus klimatischer Sicht.

Die Tiere leben in den kargen Steinwüstenhabitaten des südlichen Afrikas, die sehr stark von den Tag-/Nacht-Temperatur-Gegensätzen geprägt sind. Die absoluten Tagestemperaturen reichen bis an die 40° Celsius, während die Nachtwerte oft bis unter 10° Celsius sinken. Niederschlagswerte im Mittel liegen bei unter 50% im Sommer, im Winter über 60%. Dies sind natürlich grobe Richtwerte, die ich aus verschiedenen Mess-Stationen ermittelt habe. Im Einzelnen gibt es natürlich auch starke Abweichungen. Die Werte sollen eigentlich nur die klimatisch ungünstigen Verhältnisse wieder geben.

So lässt sich unschwer erkennen, dass diese krassen Varianten im Terrarium nicht simulierbar sind. Man muss sich also mit annähernden Bedingungen zufrieden geben. So halte ich meine Tiere am Tage bei ca. 33° Celsius im Schnitt, wobei ich etwa 4 Stunden bis zu 38°-40° Celsius durch Zuschaltung eines Wärmestrahlers gehe. Da die Tiere direkt am Fenster stehen, kann ich des Nachts durch Öffnen des Fensters tiefere Temperaturen herbei führen, so dass ein recht natürliches Tag-Nacht-Gefälle entsteht. Hier schalte ich auch bewusst ein helles Licht dazu, was ich bei meinen anderen Skorpionen vermeide.

Als Wassernapf ist ein kleiner Untersetzer eingegeben, den ich alle zwei bis drei Tage mit frischem Wasser fülle.

Das Becken besitzt ein Substrat aus Sand-Ton-Gemisch, welches durch vorher zugegebene Feuchtigkeit ausgehärtet ist. Ein Teil des Behälters ist mit flachen Steinen ausgestattet, welche den Tieren als Versteck dienen. Hadogenes sp. heißen nicht umsonst "Spaltenskorpione", sie schieben sich zwischen schmalste Ritze und verstecken sich während der heißen Tagestemperaturen. Des Nachts gehen, die Tiere auf Beutejagd, was sich meist so äußert, dass sie auf vorbeihüpfende Heuschrecken warten oder aber gerne Rosenkäferlarven, Schaben oder Schwarzkäfer von der Pinzette nehmen. Halte ich die Temperaturgegebenheiten nicht ein, so fressen die Skorpione unwillig und schlecht.

Schwierigkeiten bereitet die Nachzucht, da die Tiere untereinander eine sehr große innerartliche Aggressivität zeigen. Die weitaus kleineren Männchen setze ich nur kontrolliert während meiner Anwesenheit zu den Weibchen, um reagieren zu können, wenn es zu kannibalistischen Ansätzen kommt. (Krones hat andere Erfahrungen gemacht. mdl. Mit. 2000)

Ist eine Paarung erfolgreich gewesen, werden die Jungtiere, wie bei Skorpionen üblich, geboren und auch in der ersten Zeit behütet. Nach dem Verlassen des Mutterrückens setze ich die Jungen zu kleinen Gruppen in größere Becken oder solitär in Heimchenboxen, die den großen Terrarien nachempfunden sind.

Bei den gegebenen klimatischen Verhältnissen fressen und häuten sich die Jungen sehr gut, ......nur man erkennt kaum ein Wachstum. Die Jungtiere scheinen nicht größer zu werden. Erst nach etwa 1 1/2 - 2 Jahren kann ich deutliche Wachstumsschübe feststellen.

Hier sei noch einmal auf die relative Harmlosigkeit aller Hadogenes sp. hingewiesen:

Nach 10 Jahren Haltung dieser faszinierenden Skorpione habe ich noch keinen so reizen können, dass er mit seinem Stachel Versuche unternahm, mich zu stechen, was natürlich nicht zur Sorglosigkeit führen darf!

Angenehm ist auch das Erkennen des deutlichen Geschlechtsdimorphismusses bei den Weibchen, die massiger als die Männchen sind, sind die Metasomaglieder wesentlich kürzer als bei ihren Partnern.

Wenn auch der Spaltenskorpion nicht dem Bild des eleganten "Raubtieres" Skorpion entsprechen mag, haben die Tiere durch ihren flachen Körper, ihr extrem dünnes (bei den Männchen sehr langes) Metasoma und ihre mächtigen Pedipalpen ein außergewöhnliches Erscheinungsbild und bieten ein Extrem im Habitus an, das total auf das extreme Habitat abgestimmt ist.

Die Tiere sind sich der Kraft ihrer Pedipalpen sehr bewusst, so dass sie ihren Giftstachel fast nie zum Einsatz bringen, sie zerreißen mit faszinierender Leichtigkeit ihre Beute.

Was ich nicht beobachten konnte, ist das Verschlingen von Massen an Beutetieren, wie es andere Skorpione oft vollführen. "Nervt" sie die Anwesenheit eines anderen Arthropoden, so kümmert sie dies entweder nicht oder aber sie töten die potentielle Beute und lassen sie einfach liegen.

Trotzdem diese Tiere sehr harten Umweltbedingungen ausgesetzt sind, sterben sie an Dehydrierung, wenn sie nicht genug fressen oder kein Wasser zur Verfügung haben. Ständige Anwesenheit von Feuchtigkeit schadet ihnen anscheinend, sie kränkeln oft dahin. Deshalb übersprühe ich am frühen Morgen etwa dreimal die Woche das Becken und ahme die Morgenfeuchte der Wüstengebiete nach.

Parasitenbefall habe ich bis dato noch nicht nachweisen können, obwohl es sich bei allen von mir gehaltenen Tieren um Wildfänge gehandelt hat und handelt. Sie scheinen in Bezug auf Erkrankungen sehr robust zu sein. Ausnahme sind wie gesagt die ständige Anwesenheit von Wasser und eben auf der anderen Seite keinerlei Flüssigkeitszuführung, entweder durch Futtertiere oder Morgennebel.

Gut tut den Tieren auch eine Fresspause von etwa einem Monat im Südwinter bei herabgesetzten Temperaturen. wenn man selber nicht dran denkt, erinnern einen die Skorpione schon daran, denn sie stellen dann das Fressen von selber ein. Haben sie wieder Hunger, fangen sie entgegen ihrer üblichen Gewohnheit an, suchend herum zu laufen.

Zeichnung eines typischen Beckens für Hadogenes sp., nach dem Vorbild eines Terrariums im Besitz des Verfassers

 

 

Herbert Saurer