Terraristik

Kovarik führt folgende Arten auf:

 

Genus:
ParabuthusPocock, 1890

 

Species:
Parabuthus brachystylus Lawrence, 1928; Angola, Namibia
Parabuthus brevimanus (Thorell, 1876); Angola, Südafrikanische Republik, Kongo, Namibia
Parabuthus calvus Purcell, 1898; Südafrikanische Republik
Parabuthus capensis (Hemprich und Ehrenberg, 1831); Südafrikanische Republik, Namibia
Parabuthus distridor Lamoral, 1980; Südafrikanische Republik
Parabuthus gracilis Lamoral, 1979; Namibia
Parabut/ius granimanus Pocock, 1895; Äthiopien, Jemen, Kenia, Somalia
Parabut/ius granulatus (Hemprich und Ehrenberg, 1831); Angola, Botswana, Südafrikanische Republik, Kenia, Namibia, Zimbabwe
Parabuthus heterurus Pocock, 1897; Äthiopien, Somalia
Parabuthus hunteri Pocock, 1895; Ägypten, Sudan
Parabuthus kalaharicus Lamoral, 1977; Südafrikanische Republik
Parabuthus kuanyamarum Monard, 1937; Angola, Zimbabwe
Parabuthus laevifrons (Simon, 1888); Südafrikanische Republik, Namibia
Parabuthus liosoma (Hemprich und Ehrenberg, 1828); Ägypten, Äthiopien, Namibia, Saudi Arabien, Jemen, Südafrikanische Republik, Somalia, Sudan, Tansania
Parabuthus maximus Werner, 1913; Tansania
Parabuthus mixtus Borelli, 1925; Somalia
Parabuthus masambicensis (Peters, 1862); Botswana, Südafrikanische Republik, Mozambique, Zimbabwe
Parabuthus namibensis Lamoral, 1979; Namibia
Parabuthus nanus Lamoral, 1979; Namibia
Parabuthus neglectus Purcell, 1899; Südafrikanische Republik
Parabuthus pallidus Pocock, 1895; Äthiopien, Kenia, Somalia, Tanzania
Parabuthus planicauda (Pocock, 1889); Südafrikanische Republik
Parabuthus raudus (Simon, 1888); Angola, Botswana, Südafrikanische Republik, Namibia, Zambia, Zimbabwe
Parabuthus schlechteri Purcell, 1899; Botswana, Südafrikanische Republik, Namibia
Parabuthus stridulus Hewitt, 1914; Südafrikanische Republik, Namibia
Parabuthus transvaalicus Purcell, 1899; Botswana, Südafrikanische Republik, Mozambique, Namibia, Zimbabwe
Parabuthus villosus (Peters, 1863); Südafrikanische Republik, Kongo, Namibia
Parabuthus zavattarii Caporiacco, 1939; Somalia

Es handelt sich hier also um eine viele Arten umfassende Gattung, deren Verbreitungsschwerpunkt im südafrikanischen Raum liegt, jedoch wider der Ansicht Vieler bis nach Nordafrika hinein reicht.

Wenn wir uns also Parabuthus spp. besorgen, müssen wir recht sicher sein, aus welcher Gegend die Tiere kommen.

In diesem Jahr kamen massenhaft "Parabuthus mosambicanus" auf den Markt, die es überhaupt nicht gibt. Das Taxon wurde also in Parabuthus mosambicensis geändert, eine Art, die es wirklich gibt. Lutz Sever gelang es dann schließlich (er hatte über diverse Umwege Tiere von mir bekommen) die Tiere als Parabuthus schlechteri zu determinieren, was ich dann bestätigen konnte (nachdem ich mich aufgerafft hatte, die Tiere genauer zu betrachten).

Hier zeigt sich, wie leicht man Namen übernimmt, ohne genau darüber nachzudenken. Giftpotenzmäßig war dieser Determinierungsfehler recht irrelevant, da beide Arten in etwa eine gleiche Toxizität aufweisen. Gefährlich wird dies erst bei Tieren, die völlig unterschiedliche Giftpotenzen haben.

Ein anderer Fall war - auch in diesem Jahr - Parabuthus transvaalicus, Ich war froh, endlich wieder Tiere dieser Art über den Großhandel bekommen zu können - doch wie groß war die Enttäuschung, als es gar keine P. transvaalicus waren! Die Tiere kamen definitiv nicht aus den Verbreitungshabitaten dieser Art. Schließlich ließen sich auch diese Exemplare wieder als Parabuthus schlechten determinieren. Eine rein äußerliche Ähnlichkeit war schon von Anfang an zu bemerken.

Parabuthus villosus waren ein ebensolcher Fall. Die Tiere waren noch recht klein und wurden als Buthus spec. gehandelt, was auf Grund ihrer Herkunft aber schon völlig ausgeschlossen war und mittlerweile ja schon bekannt ist, dass unbekannte Buthiden immer Buthus spec. sind. Nachdem die Tiere sich zweimal gehäutet hatten, konnte ich sie eindeutig als Parabuthus villosus bestimmen. Parabuthus hatte ich schon auf Grund ihres Habitusses vermutet, aber erst die größeren Tiere waren dann genau zu bestimmen.

Langer Rede, kurzer Sinn wenn man die genauen Eckdaten der Herkunft kennt, nur dann ist eine artgerechte Haltung möglich.

Ich möchte die Haltung von Parabuthus sp. an zwei Beispielen vorstellen.

Parabuthus transvaalicus

Diese Tiere sind recht imposante Gestalten. Sie werden um die 13 cm groß, weisen in der Regel ein stark behaartes Metasoma auf. Wie bei allen Parabuthus spp. haben die Männchen stärker gerundete Pedipalpen - im Gegensatz zu anderen Buthiden - und bleiben etwas kleiner und graziler als die Weibchen, die die schmalen Pedipalpen besitzen. Eine Vergesellschaftung ist nur zwischen 1,1 und 2,0 möglich, denn 0,2 bekämpfen sich sofort (siehe Weickmann). Aber auch das Zusammenführen eigentlich verträglicher Tiere ist problematisch. Deshalb halte ich meine Tiere solitär und versuche nur hin und wieder eine Verpaarung.

Parabuthus transvaalicus halte ich in Becken mit den Maßen 30x25 Grundfläche. Das Substrat besteht aus einem Sand-Lehm-Gemisch, welches zeitweise völlig aushärtet. Als Verstecke bringe ich Steinaufbauten ein. Gleichzeitig "verziere" ich die Terrarien mit Sukkulenten und Kakteen, die allerdings keine starken und sehr spitzen Stacheln aufweisen dürfen, damit sich die Tiere nicht aufspießen können. Ein Wassernapf darf nicht fehlen, ich lasse ihn aber für etwa drei Tage in der Woche trocken, d.h. ich leere das Wasser aus. Die Tiere kommen in der Regel aus sehr ariden Gebieten und wenn man die entsprechenden Klimakarten anschaut, wird der geneigte Leser feststellen, dass es sich um Gebiete mit großer Aridität und starken Temperaturschwankungen handelt. Ich habe in meinen Terrarien Temperaturwerte von etwa 30° - 32° Celsius am Tage und des Nachts sinken sie um etwa 8° -10° Celsius, was den Tieren sehr gut zu bekommen scheint. Sie sind sehr gefräßig und fressen alles, was sie überwältigen können, legen aber eine Futterpause von etwa zwei Monaten ein. Häutungen machen keine Probleme. So ist auch die Aufzucht von Jungtieren recht unproblematisch.

Eine Eigenart der Tiere, die dem Halter sehr entgegenkommt, ist die, dass sie tagsüber sehr häufig zu beobachten sind. Sie laufen durch das Terrarium und weichen auch nicht - wie andere Skorpione - in ihr Versteck zurück, wenn der Besitzer sie beobachten will. Hantiert man am/im Terrarium, sind sie sehr aufmerksam und neigen dazu, nicht zu weichen, sondern sie drohen und kommen auch gelegentlich näher. Vorsicht, sie können Gift versprühen! Unfälle in Privathand sind mir nicht bekannt. Im Gegensatz zu Leiurus quinquestriatus sind sie "progressiv" aggressiv, sondern sie ähneln mehr Sturköpfen, während ihre libyschen "Kollegen" sehr aggressiv im eigentlichen Sinne sein können, wenn sie sich gestört fühlen.

Im Prinzip handelt es sich bei der besprochenen Art um einen denkbar dankbaren und extrem interessanten Pflegling, den man jedoch vorsichtig behandeln muss, ohne seine Gefährlichkeit zu übertreiben.

Parabuthus liosoma

Diese Art verhält sich ganz anders.

Die Tiere sind hell- bis schmutzig gelb, wobei drei Metasomasegmente schwarz gefärbt sind. Auf Grund ihres Verbreitungsgebiet können Importe auch aus humideren Gebieten kommen, was heißt, dass man erst austesten muss, welche Luftfeuchte sie benötigen, denn sonst hat man sehr schnell Tiere, die vor sich hin kränkeln und schlecht fressen. Da die Skorpione nicht so groß werden, können die Terrarien etwas kleiner sein. Als Substrat hat sich das oben genannte bewährt. Wichtig ist die Wasserschale, die ich bei P. liosoma immer mit frischem Wasser gefüllt habe. Die Luftfeuchte liegt bei etwa 60% und die Temperaturen betragen 27° Celsius mit Nachtabsenkungen um die 5° Celsius. Die Tiere gehen, nach meinen Erfahrungen, schlechter ans Futter, "streiken" hin und wieder ganz, so dass man mit den Klimawerten experimentieren muss.

Ich habe den Eindruck, dass sie nicht so langlebig sind, vielleicht mache ich aber auch Haltungsfehler!?

Die Tiere sind im Gegensatz zu den kräftigeren und größeren Parabuthus-Arten versteckt lebender und weichen bei Gefahr gerne zurück. Der vorher beschriebene Starrsinn scheint diese Art nicht zu betreffen, die ich außer bei P. trarisvaallcus auch bei P. schlechteri, P. villosus, P. mosambicensis, P. capensis, P. granulatus beobachten konnte.

Die Jungtiere sind nach meinen Erfahrungen schwieriger aufzuziehen, was, wie ich glaube, am falschen Mikroklima liegt. Eine Vergesellschaftung ist auch hier nur im oben gezeigten Rahmen möglich.

Fazit: Empfehlenswerte Tiere, die aber den Nachteil haben, dass sie scheu erscheinen und versteckt leben.

Generell kann ich sagen, dass neben den nordafrikanischen Buthiden meine Liebe den Parabuthus spp. gilt. Sie sind sehr reizvoll, interessant und vor allem bieten sie die Herausforderung, sie in größerem Maße nachziehen zu können. Hinzu kommt die Schwierigkeit mit der Determinierung.

Literatur: Kovarik, Frantisek (1998): Stiri.-Madagaskar; 176pp

Unfall mit Leiurus quinquestriatus

Durch Routine und daraus erfolgender Unachtsamkeit wurde ich drei Tage vor der "TERRARISTIKA“ beim Verpacken von einem Leiurus quinquestriatus "gestochen". Wie üblich holte ich das Tier mit einer 30cm langen Pinzette aus dem Terrarium und setzte es in seine Heimchendose. das Tier kletterte aber blitzschnell auf meinen Arm. Wahrscheinlich durch den jahrelangen praktischen ‘Umgang mit den Tieren geriet ich nicht in Panik, sondern versuchte den Skorpion vom Arm abzustreifen, was sich aber als schwierig erwies, da er sich mit den Tarsenklauen in den Haaren verfangen hatte. Schließlich hatte ich ihn jedoch so weite und er rutschte langsam vom Arm hinunter. bei schlug er mehrmals mit seinem Metasoma zu und hinterließ vier kleine Stichpunkte, die durch eine "Kratzspur" miteinander verbunden waren. Als das Tier in seiner Box war, betrachtete ich mir die Verletzung näher. Ein recht starker Schmerz war zu spüren, der aber nach etwa 3 Stunden weg war. Die Wunden bluteten stark, das Umfeld war leicht gerötet und es bildete sich ein kleines Ödem. Nach der Nacht konnte ich um die Stichstellen eine etwa 2x5-DM-Stück-große Stelle erkennen, wo sich unter der Haut ein Bluterguss gebildet hatte, der sich im Laufe des Tages geringfügig vergrößerte.

Weitere Folgen des Unfalles konnte ich nicht verspüren. Es manifestierten sich keine systemischen Vergiftungserscheinungen, noch blieb etwas zurück, was man auf die Auswirkung des Giftes zurück führen könnte.

 

 

Herbert Saurer