Reiseberichte

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Der größte Meerestierpark Europas - oder doch nur ein Delphinarium und Tierrummelplatz der üblichen Art? Eigentlich waren wir beide skeptisch, meine Frau und ich, befürchteten wir doch qualvolle Tierhaltung, Delphine als Zirkusattraktionen und wenig Naturbezug. Gelesen und gehört hatten wir jedoch vorher anderes - sprich viel positiveres und so besuchten wir im Oktober 2003 mit gemischten Erwartungen und Gefühlen das Dolphinarium Harderwijk in den Niederlanden.
Um es vorweg zu nehmen: es war ein einmalig positives Erlebnis, dass wir so nun gar nicht erwartet hatten.

 

 
1965 wurde das Dolphinarium in Harderwijk direkt am Veluwe-Meer gegründet. Anfangs noch eher unspektakulär und als typisch traditionelles Delphinarium aufgebaut, hat es sich insbesondere seit Mitte der 80-iger Jahre zu Europas größtem Meerestierpark mit überwiegend sehr guter Qualität der Tierhaltung entwickelt. Einen besonderen Schritt nach vorn machte das Dolphinarium 1998 mit der Einweihung der riesigen Lagunenlandschaft, 7.500 m² groß und mit 15 Millionen Liter Meer-Wasser gefüllt.
 
Geländeplan Dolphinarium



Ziel der Betreiber des Dolphinarium ist " bei den Besuchern ein Engagement zum Wohl des Meeres und seiner Bewohner" zu wecken. Um dieses Ziel zu erreichen hat man sich in Harderwijk auf einige wenige Themenbereiche beschränkt. Auf dem gesamten Gelände findet man kein einziges typisches Aquarium, keinen einzigen Süßwasserfisch sondern - neben vielen Meeresfischen, Krabben und Seevögeln in der Lagune - ausschließlich Delphine, Tümmler, Seelöwen, Robben, Rochen, Haie und Walrosse.

Die Tiere werden den Besuchern in einer für europäische Meeresparks ungewöhnlichen An-gebotszusammenstellung präsentiert. Während einerseits die Tiere in vielen verschiedenen, meist sehr sehenswerten Shows vorgestellt werden, bildet andererseits die möglichst naturnahe Haltung der Tiere speziell in der Lagune und im Wattenbereich den Schwerpunkt.


Die Shows und Vorführungen
 
Seelöwentheater - spaßige Aufführung im Theaterrondell ( überdacht ) mit kalifornischen und patagonischen Seelöwen als Schauspieler. Besonders Kinder kommen hier auf ihre Kosten, aber auch die Erwachsenen lachten mit.

 
Walrosse kamen früher auch in den Gewässern rund um die Niederlande vor. In Harderwijk wird die angeblich einzige Walrossshow der Welt gezeigt.

Nova Zembla - in dieser Walrossshow zeigen 2 der riesigen Kolosse ihre gelehrige Seite.
Die Vorstellung ist sehr gekonnt gemacht, man sieht, dass die Tiere Spaß an der Sache haben. Das Areal ist nicht überdacht.




Der Dome
 
Hier finden die Delfinshows statt. Bemerkenswert war die sehr große Anzahl von Tierpfle-gern, die sich während der Vorstellung um die Tiere kümmerten, sodass Tiere, die gerade einmal keine Lust hatten, von den Pflegern etwas abseits beschäftigt wurden und andere Tiere in den Vordergrund traten.
Die hier aktiven Tümmler sind wahre Akrobaten. Mit ihrer starken Schwanzflosse können sie mühelos ihren gesamten Körper (ca. 250 kg) aus dem Wasser heben. Die meist zu sehenden "kleinen" Sprünge der Delphine entsprechen ihrem natürlichen Verhalten und sind auch in der Lagune zu beobachten. Der regelmäßige Auftritt ist für die verspielten Tiere wichtig, da sie hierdurch aktiv und fit bleiben und die fehlende Bewegung bei der Nahrungsjagd teilweise kompensiert wird. Die Vorstellung der Tiere ist in eine visuell und sprachlich sehr gut gestaltete Videoinstallation eingebunden - selbst wenn man kein niederländisch versteht - die Bilder sprechen für sich.




Das Robarium
                          Der Chef                             Der Harem
Die Steller Seelöwen gehören zur größten Art aus der Gattung der Ohrenrobben. Sie kommen teilweise im gleichen Lebensraum wie die kalifornischen Seelöwen vor.



Roggenriff
Hier ist eigentlich immer "Vorstellung" entweder die Tierpfleger erläutern die einzelnen Rochenarten und geben den Zuschauern (meist Kinder) die Gelegenheit die Rochen mit Fischstücken zu füttern und sie zu streicheln, oder die offizielle Vorstellung läuft gerade mal nicht und die Zuschauer (meist Erwachsene) trauen sich eigenständig an die Rochen. Das Berühren der Rochen ist gefahrlos möglich, die Rochen sind klein, das Becken flach - und außerdem haben Rochen keine Zähne sondern Mahlkiefer.

Einer von ca. 100 Bewohnern des Roggenriffs (Rochenriff)


Die "inoffizielle" Vorführung


Die "offizielle" Vorführung


Wie ein nasser Samtteppich fühlt sich die Unterseite eines Rochens an. In dem Becken ( überdacht ) leben außer diversen Rochenarten noch Katzenhaie Glatthaie und verschiedene Plattfische. In einem abgetrennten Bereich, dem Eiquarium, können Rochen und Haieier sowie junge Rochen und Haie beobachtet werden.

Fort Heerewich: keine Vorstellung und keine Naturhaltung Das Untersuchungs- und Auffangzentrum für Delphine.

Im Untersuchungs- und Auffangzentrum Fort Heerewich kann der Besucher aus nächster Nähe sehen und miterleben, was alles zur Rettung und Versorgung von kranken und/oder verwundeten Delphinen gehört, die an der niederländischen Küste an Land geschwemmt wurden.


Die Behandlungsräume von Ford Heerewich dürfen von Besuchern nicht betreten werden, sind aber durch große Fenster gut einsehbar. Zusätzlich werden ständig Informationsfilme gezeigt, eine Ausstellung vermittelt viel Wissenswertes über Nordseedelphine und ihre Probleme.



Das Spielangebot
 
Aber auch andere, stark an übliche Freizeitparks erinnernde Angebote richten sich an die unterschiedlichen Besucher: Wasserrutschen und großzügige Spielplätze für die Kinder, unter-schiedliche Gastronomie, eine Rundfahrt mit der "Park-Eisenbahn", ein eigener Strand zum Baden und Sonnen und vieles mehr.

Die naturnahe Haltung:

Beeindruckend war für meine Frau und mich das erstklassige Bemühen um eine naturnahe Haltung aller Tiere. Auch die in den "Vorstellungen" aktiven Tiere wechseln immer in diese Zonen (Ausnahme Rochen und Haie). Auch hier finden immer kleine Vorführungen statt um die Tiere zu aktivieren.


 
Het Wad - das Watt ist Lebensraum für die gemeinen und grauen Seehunde. Sie fühlen sich hier scheinbar sehr wohl und wir konnten sie sowohl im Wasser schwimmend, als auch etwas zurückgezogen auf Land dösend beobachten.

Das für uns Beste zum Schluss: De Lagune - die Lagune

"Lerne die Natur kennen und schätzen. Nutze sie, wenn es notwendig ist, aber sorge für ihre Instandhaltung" ist der Leitsatz dieser in Europa einzigartigen Anlage. Ein Biotop mit 15 Millionen Litern Meerwasser, Lebensraum für Delphine, Seelöwen, Walrösser, Fische, Krabben und Rochen. Alles von oben, teilweise aber auch durch eine riesige Glaswand im Beobachtungssaal / Unterwassergalerie (gleichzeitig Selbstbedienungsrestaurant) zu betrachten. Nur erahnen kann man den riesigen technischen Aufwand, der 1977 mit dem Bau der Lagune umgesetzt wurde, damit sie 1998 eröffnet werden konnte.
Die Technik ist nur zu erahnen, wenn man auf das riesige abseits stehende Filterhaus sieht, an dessen Eingang ein bewegtes, ausführliches Flussdiagramm die biologischen Abbaustufen und Filterkreisläufe erklärt. Geheizt ( im Sommer gekühlt ) wird größtenteils mit Hilfe von Wärmepumpen, die Erdwärme zum Anwärmen eines im Winter für die Delphine abgeteilten Bereiches der Lagune nutzen. Das Wasser der Lagune ist nicht immer klar, sondern durchläuft die natürlichen Zyklen der Klarheit bis hin zur Algenblüte.


Schematische Darstellung des Filterkreislaufes für die Lagune.


Ein kleiner Teil der Flachwasserzone in der Lagune ist mit Steinplatten und Stegen ausgelegt, sodass wir die Kleintier- und Fischwelt aus der Nähe betrachten konnten.



Ständig sahen wir irgendwo Tierbewegung, ob durch Fütterung angeregt oder aus scheinbar vorhandenem Spaß an der Bewegung:

 
 


Fazit:

Es lohnt
- trotz der hohen Eintrittspreise ( € 20,00, keine Kinderermäßigung)

Anfahrt: Dolphinarium Harderwijk
A 28 (Amersfoort -Zwolle) - auf der Autobahn schon Beschilderung


Johannes Berns