Süsswasserfische

Der Duplikat- oder Kupferfleck-Panzerwels gehört sicherlich zu den farbenprächtigsten Panzerwelsen , die in den letzten Jahren entdeckt und wissenschaftlich beschrieben wurden. Im Juni 1994 wurde diese Art zum ersten Mal als Beifang mit Corydoras adolfoi importiert und zunächst als Corydoras cf. adolfoi bezeichnet (D. Rössel).


 

 

Kurze Zeit nach dem ersten Import wurde der Duplikat-Panzerwels im Mina-Flußsystem (oberer Rio Negro, Brasilien) durch Herrn Sands entdeckt und wissenschaftlich beschrieben.

Corydoras duplicareus, adultes Weibchen

Anfang 1997 entdeckte ich in einem Import von Corydoras adolfoi einige Corydoras duplicareus und Corydoras imitator. Den Corydoras duplicareus widmete ich aufgrund der sehr schönen und intensiven Zeichnung meine ganze Aufmerksamkeit. Kurz nach dieser Entdeckung schwammen sieben Corydoras duplicareus, drei Weibchen und vier Männchen in einem dicht bepflanzten 70 l Aquarium. Diesen Lebensraum teilten sie sich mit ca. 20 Hemigrammus bleheri.

Die Einrichtung bestand aus Echinodorusarten, Cryptocorynearten, Heteranthera zosterifolia, Vesicularia (Javamoos), zwei Wurzeln, kleine Gebirgsbachfindlinge und als Bodengrund feiner Sand. Ein Außenfilter sorgte für eine gute Filterung und Umwälzung des 24°C temperierten Wassers. Durch Beimischung von 50 % Osmosewasser betrug die Gesamthärte 9°, Karbonathärte 4° bei einem pH-Wert von 7. Futtertabletten und selbstgefangenes Lebendfutter in Form von Wasserflöhen und Hüpferlingen wurden gerne angenommen.

Nach einigen Wochen entdeckte ich morgens drei Panzerwelseier, die an der Frontscheibe und an den Blattunterseiten der Cyrptocorynen klebten. Die Eier waren ca. doppelt so groß wie von Corydoras aneus und ließen sich gut mit den Fingern vom Laichsubstrat entfernen. Von den restlichen Eiern fehlte jedoch jede Spur. Der Verdacht, daß der Rogen als Delikatesse das Futterangebot der Beckenbewohner erweiterte, bestätigte sich eine Woche später.

Während sich 3 Corydoras bemühten, die Art zu erhalten, ließen es sich die anderen Panzerwelse schmecken. Die Hemigrammus bleheri konnte ich jedoch nie als Laichräuber ertappen. Vermutlich waren die Panzerwelse einfach schneller.

Aus den drei Eiern entwickelte sich ein Jungfisch, der heute mit den anderen Welsen das Aquarium teilt. Aus den nachfolgenden Gelegen konnte ich leider immer nur sehr wenige Eier retten, da mir die nicht am Laichgeschehen beteiligten Welse nicht die Spur einer Chance ließen die Eier vor ihnen zu retten. Auch aus diesen Eiern konnte ich insgesamt fünf Jungwelse aufziehen, jedoch war der Erfolg sehr bescheiden.

Laich, ca. 72 Stunden nach dem Ablaichen

Nun wollte ich es wissen . Ich setzte ein Weibchen und zwei Männchen in ein seperates 50 l Aquarium, welches mit eingetopften Echinodorus und einem dichten Bestand von Javamoos ausgestattet war. Der Bodengrund bestand aus einer ca. 3 cm starken Schicht Quarzsand, in dem die Welse gut gründeln konnten. Das durch einen Schwammfilter gesäuberte Wasser hatte dieselben Wasserwerte wie im 70 l Aquarium. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit von wenigen Tagen, begann endlich das sehnsüchtig erwartete Treiben und Ablaichen der Panzerwelse. Im Zeitraum vom 27.10.97 - 21.01.98 konnte ich von insgesamt 13 Gelegen 278 Eier aus dem Zuchtaquarium ernten. Das kleinste Gelege hatte 8 Eier, das größte 39. Die Anzahl variierte in der Menge und war abhängig vom Zeitabstand der Gelege.

Zuchtaquarium, mit zwei eingehängten Ablaichkästen, zum inkubieren des Laiches und zur Pflege der Larven in der 1. Lebenswoche

Bei konstant 24 °C betrug der Abstand der Gelege sehr häufig exakt eine Woche und es war nicht nötig die Zuchttiere zum ablaichen der nachfolgenden Gelege zu stimulieren. Der Laich   wurde im Aquarium meist einzeln verteilt. Sehr selten entdeckte ich , daß zwei Eier gleichzeitig abgelaicht wurden. Die Eier hafteten an allen Einrichtungsgegenständen, wobei jedoch die Echinodorus und das Javamoos zu den bevorzugten Substraten gehörten.

Ablaichkasten, mit 6 Tage alten Jungwelsen

Jungwelse, ca. 3 Wochen alt


Bei den Zuchttieren konnte ich während und nach dem Ablaichen kein Laichfressen beobachten. Den Laich übertrug ich unter Wasser in einem Ablaichkasten ca. 3 l Volumen und einer Bodenfläche von 170 cm2. Dieser Ablaichkasten hatte nur in der Bodenscheibe kleine punktartige Öffnungen, die so klein waren, daß die geschlüpften Larven nicht entweichen konnten. Damit die Wasserwerte stabil blieben und das Wasservolumen möglichst groß war, hängte ich den Ablaichkasten in das Zuchtbecken. Um ein Verpilzen der unbefruchteten Eier zu vermeiden, fügte ich dem Wasser Desamor zu. Nach 24 Stunden konnte man aufgrund der weißen Verfärbung die unbefruchteten Eier erkennen und entfernen, damit eine eventuell auftretende Verpilzung nicht auf die befruchteten Eier übertragen wurde. Das gesäuberte Schwammfilterwasser leitete ich mittels Verlängerungsrohr in den Ablaichkasten, in dem zusätzlich noch ein kleiner Schlauch grobe Luftblasen erzeugte. Durch die leichte Filterströmung und die aufsteigenden Luftblasen hatte ich so gut wie keine Verluste bei den schlüpfenden Panzerwelsen, die nach fünf Tagen die Eihülle durchbrachen.

Die geschlüpften Jungfische waren ca. 3 mm groß und hatten einen sehr großen Dottersack, der Ihnen in den ersten drei Tagen als Nahrung diente. Nachdem dieser aufgezehrt war, fütterte ich mit frisch geschlüpften Artemia an, die ohne Probleme bewältigt werden konnten. In der ersten Lebenswoche traten jedoch am Anfang Probleme mit der Aufzucht der Jungwelse auf. Gab ich dem Zuchtaquarium beim Teilwasserwechsel zu kühles Wasser bei, so verlor ich binnen kurzer Zeit einen Teil der geschlüpften oder wenige Tage alten Jungwelse. Verluste traten in der ersten Lebenswoche auch durch Schock auf. Der Schock trat immer dann ein, wenn ich nach einer guten Fütterung den Ablaichkasten auspinselte, um den Bakterienrasen an den Scheiben zu entfernen. Durch diesen Bakterienrasen konnte ein Verpilzen der Flossen verursacht werden. Seit dem ich temperiertes Wasser verwendete und das tägliche Auspinseln vor der Fütterung durchführte, traten auch hier keine Verluste mehr auf.



Diskus-Aquarium mit einhängten Aufzuchtbehälter (Ablaichkästen),
für die Aufzucht der Welse ab der 2. Lebenswoche




Aufzuchtbehälter, mit ca. 8 Wochen alten Jungwelsen

Nach Vollendung der 1. Lebenswoche hatten die Jungwelse eine Gesamtlänge von ca. 8 mm, und ich konnte sie in Ablaichkästen anderer Bauart umsetzen. Diese Kästen hatten eine Bodenfläche von 84 cm², und ich konnte die Kästen aufgrund der geringen Höhe von 7,5 cm in alle Aquarien, die mir zur Verfügung standen einhängen. Voraussetzung war allerdings, daß die Wasserwerte annähernd gleich waren.



Jungwels, ausgefärbt, ca. 4 Monate alt

In diesen Ablaichkästen konnte ich ca. 15 Welse problemlos bis zu einer Größe von ca. 2 cm Länge pflegen. Von diesen Zeitpunkt an hatte ich keine Verluste mehr. Voraussetzung für eine gute Aufzucht war allerdings das tägliche Abpinseln der Boden- und Seitenscheiben, sowie ein Entfernen der durch Staub und Bakterien entstandenen Kahmhaut und des Wassers durch vorsichtiges Anheben und Senken des Ablaichkastens. Ab der 2. Lebenswoche verfütterte ich neben den Artemia auch Trockenfutter in Form von Tabletten. Diese wurden sofort gierig aufgenommen. Im Alter von ca. 6 Wochen setzte ich die Jungwelse in ein mit halbierten Kokosnußschalen, eingetopften Echinodorus und Javamoos ausgestatteten 60 l Aquarium. Die Kokosnußschalen und das Javamoos dienten den jungen Panzerwelsen als Zufluchtsort. Eine ca. 2 cm starke Schicht aus Quarzsand bedeckte den Beckenboden, um ein auftretenden Bakterienrasen zu verhindern.

Corydoras duplicareus, adult, 1 Jahr, 4 Monate

Nun begannen sie sich umzufärben und sie glichen in ihrem Aussehen einem Spiegelbild in Miniaturformat ihrer Eltern. Von 234 geschlüpften Jungfischen konnte ich in einer Zeitspanne von ca. 3 Monaten 170 Corydoras duplicareus auf eine Größe von 1 - 3,5 cm aufziehen. Das entsprach einer Aufzuchtsrate von 72 %.

 

Thomas Titz

 



Literatur:
Dietrich Rössel (1995): Corydoras adolfoi und Co., DATZ, 48 (3): 144 - 147;
Achim Werckerthin (1996): Corydoras duplicareus, DATZ, 49 (12): 776 - 777;
Hans A. Baensch, Dr. Rüdiger Riehl (1997), Aquarien Atlas (5), S. 260

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