Süsswasserfische

Wir haben wohl schon alle einmal Probleme mit Buntbarschen gehabt, deren Nachzucht nicht ganz einfach war, bzw. immer noch ist. Gelingt uns die Nachzucht gar nicht, wird die Schuld oder das Versagen natürlich nicht bei sich selbst gesucht. Es wird vielmehr an irgendwelche Geheimnisse oder gar an Mysterien geglaubt, die sinnvollerweise nicht zu ergründen sind.


  

Handelt es sich dabei noch um so genannte „Alt Cichliden“, wird resigniert und leichtfertig behauptet, dass die Tiere nicht „nachzüchtbar“ sind.

Ähnliche Gedanken hegte ich über den normalen, braunen Haplochromis compressiceps (Altolamprologus compressiceps), nachdem ich diesen bizarren, seitlich stark komprimierten, hochrückigen und grimmig dreinschauenden Cichliden über viele Jahre gepflegt hatte, ohne mit ihm jemals erfolgreich nachgezüchtet zu haben. Am Wasser und an fehlenden Versteckmöglichkeiten konnte es m.E. nicht gelegen haben.


Ich  erwarb wieder einmal ein adultes Compressiceps-Paar, das ich mit Julidochromis marlieri in einem separaten Aquarium pflegte. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung mit ostafrikanischen Buntbarschen war ich ganz sicher: Die Nachzucht mit Haplochromis compressiceps (Altolamprologus compressiceps) würde mir gelingen!

Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt (ein ziemlich dummer Spruch nach meist negativen Erlebnissen). Zunächst stellte ich erfreut fest, dass die Tiere miteinander harmonieren, dass sie im Aquarium ein Revier bildeten und gelegentlich nach Cichlidenmanier balzten.

Kummer bereitete mir dagegen die Erkenntnis, dass die Tiere recht scheu waren und ihr Revier nicht konsequent verteidigten. Auch sah ich niemals ein Gelege von ihnen, obwohl das Weibchen des öfteren hohlbäuchig war.

Dann sah ich eines Tages erstmals an einer aufrecht stehenden Steinplatte dicht über dem Bodengrund eine ziemlich große Anzahl olivgrüner Eier kleben, ein Teil davon lag auf dem Bodengrund. Aus der Distanz beobachtete ich, wie unbeholfen das Weibchen die Eier pflegte, sie befächelte, ablutschte und dabei jederzeit zur Flucht bereit war. Zudem nahm die Anzahl der Eier fortlaufend ab. So entschloss ich mich, zumindest die auf dem Boden liegenden Eier mit einem Schlauch abzusaugen, um sie separat aufzuziehen. Am Tag darauf waren an der Steinplatte keine Eier mehr vorhanden.

Die etwa 30 separierten Eier entwickelten sich recht gut. Dieser Umstand ermutigte mich, das Zuchtpaar zur Ausstellung in das Kasteel Hoensbroek (NL) zu geben. Eines der Tiere hatte jene Ausstellung -leider- nicht überlebt.

Die von mir separierten Eier und später die Larven entwickelten sich weiterhin prächtig. Die Jungen wuchsen jedoch auffallend langsam. Von den größer werdenden Tieren behielt ich ein Paar zurück, in der Absicht, nun endlich mit ihnen züchten zu können. Doch das Pech verfolgte mich auch weiterhin. Das Weibchen wurde krank und ging schließlich in den „Fischhimmel“ ein. - Danach erwarb ich 3 Jungtiere und übte mich -zwangsweise- in Geduld, denn auch die neuen Haplochromis compressiceps (Altolamprologus compressiceps) wuchsen sehr langsam. Eigentlich wollten sie gar nicht groß werden. So gab ich die Hoffnung auf erfolgreiche Nachzuchten schließlich auf und setzte die klein gebliebenen Tiere in das knapp 2 Meter lange Tanganjika Gesellschaftsaquarium, in dem auch der mittlerweile 5 Jahre alte Compressiceps Mann sein Dasein fristete.

Wieder verging eine lange Zeit, als mir im Gespräch mit anderen Cichlidenfreunden geraten wurde, für meine Haplochromis compressiceps (Altolamprologus compressiceps) eine große Seewassermuschel in das Aquarium zu setzen. Erfahrungen hätten gezeigt, dass solche Muscheln als Bruthöhle gerne angenommen würden. Der Erfolg war in der Tat verblüffend, denn schon wenige Tage später stand eines der kleineren Tiere im Muscheleingang. Folgte ihm das große Männchen, schwamm das kleinere Tier balzend und zitternd in die Muschel hinein. Insgeheim hoffte ich, wieder ein Compressiceps Paar zu besitzen.

In der Folgezeit hielt sich das vermeindliche Weibchen ständig in der Muschel oder im Eingang auf und fächelte fortlaufend frisches Wasser hinein.   Sollten die Tiere gelaicht haben?   Allmählich wurde ich neugierig und wollte nur allzu gerne wissen, was sich in der großen Muschel ereignet hatte.

Nach etwa 14 Tagen geduldigen Wartens überführte ich die Muschel mit dem darin befindlichen Weibchen aus dem Aquarium in eine Schüssel und ließ das Wasser langsam auslaufen. Mit großer Freude sah ich viele kleine Compressiceps Kinder in der Schüssel herumschwimmen. Sollte mir die Zucht zufällig gelungen sein?

Nein, das war kein Zufall, denn ab diesem Zeitpunkt laichten meine drei kleingebliebenen Weibchen regelmäßig sowohl in der Seewassermuschel als auch in den Löchern des Kalkgesteins, das ich rein zufällig als Dekorationsmaterial in das Aquarium eingebracht hatte.

Abschließend konnte und kann ich wieder einmal feststellen, dass es bei der Zucht unseres überaus geliebten Cichliden sogenannte „Mysterien“ nicht gibt. Mangelnde Zuchterfolge deuten erfahrungsgemäß immer auf einen Mangel in der angestrebten „biotopgerechten“ Hälterung unserer Pfleglinge hin. Oftmals fehlt es -so wie bei Haplochromis compressiceps (Altolamprologus compressiceps)- nur an einer Kleinigkeit, die den Tieren jedoch von entscheidender Wichtigkeit sein kann.

 

Günther Schmelzer

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